Paar erfüllte sich Traum vom eigenen Enzianfeld im Lechtal

In Hägerau wurden 2000 Quadratmeter Enzian angepflanzt. 20.000 Stück dieser exklusiven Heilpflanzen sollen zur Rohstoffgewinnung dienen.

Eva Ladstätter und Stefan Wildanger sind stolz auf ihr erstes eigenes Enzianfeld.
© Tschol

Von Simone Tschol

Steeg, Hägerau – Es ist ein Experiment, das Stefan Wildanger und seine Lebensgefährtin Eva Ladstätter vor knapp zwei Wochen im oberen Lechtal gestartet haben. Gemeinsam mit bis zu 20 Helfern wurden auf einem 2000 Quadratmeter großen Acker in Hägerau nicht weniger als 20.000 Enzianpflanzen gesetzt. „Gelber Enzian“, merkt Wildanger an und klärt auf: „Denn mit dem blauen Enzian, der als Inbegriff für den Enzian gilt und überall auf den Schnapsflaschen zu sehen ist, kann man gar nichts machen, auch keinen Schnaps.“

Vor zirka 15 Jahren hat Stefans Vater Josef erstmals versucht, gelben Enzian auf einem Hügelbeet zu kultivieren. Aber nur die Hälfte der Pflanzen kam auf. „Dazumal hat das Pflanzmaterial nicht entsprochen“, glaubt Josef.

Jetzt soll es klappen. „Wir sind über die Landwirtschaftskammer auf eine Agrarbiologin in München-Freising aufmerksam geworden. Sie hat extra für uns die Pflanzen in einem Gewächshaus herangezogen“, erklärt Stefan.

Aber noch ist Geduld gefragt. Die zarten Pflänzchen müssen noch kräftig zulegen. Bis zur ersten möglichen Erntephase in fünf Jahren werden sie bis zu einen Meter wachsen.
© Tschol

Beim Enzian handelt es sich um eine sehr empfindliche Pflanze. Diese gilt es nun vor allem in den ersten zwei Jahren zu hegen und zu pflegen. Wenn das Experiment gelingt, ist in frühestens fünf Jahren die Ernte der ersten selbst angebauten Enzianwurzeln möglich. Stefan: „Ich habe jetzt eine Bewässerungsanlage organisiert und hoffe, dass sich die Wurzeln festigen. Die Ungewissheit schwingt aber immer mit. Schließlich gibt es in Sachen Ackerbau im Außerfern nicht gerade viele Erfahrungswerte und zum Thema Enziananbau schon gar nicht.“ Bis sich der Erfolg am Feld einstellt, wird Familie Wildanger die Enzianwurzeln am Berg ernten müssen. „Bislang waren es immer Wildgrabungen. Wir haben selbst eine Bergmahd, wo wir sie geerntet haben“, erzählt Josef.

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Sollte der Anbau des Enzians im Talboden gelingen, schließt sich auch für die Familie, die sich mit der Herstellung von Heilschnäpsen und Tinkturen sowie der Heilpflanzenschule Lechmed Kräuterwelt einen Lebens­traum erfüllt hat, der Kreis. Stefan: „Dann können wir den Kunden auch zeigen, woraus die Produkte hergestellt werden und wo der Rohstoff herkommt.“

Dass die 2000 Quadratmeter Ackerfläche keine großen Sprünge zulassen, ist klar. Immerhin sind für die Herstellung von einem Liter Enzianschnaps zwischen 15 und 20 Kilogramm Enzianwurzeln notwendig. „Unser Ziel ist es, klein zu bleiben. Denn alles was mit Masse zu tun hat, verlangt Zukäufe“, beschreibt Josef die Zukunftsstrategie.

Die Kräuterexperten aus dem Lechtal bauen den Enzian als Heilpflanze an. Zum einen werden die Bitterstoffe extrahiert, die das Immunsystem stärken und das Verdauungssystem regulieren. Zum anderen wird reiner Enzianschnaps gewonnen. „Uns geht es dabei aber nicht um Trinkalkohol, sondern um den Enzian als Heilpflanze“, lässt Wildanger wissen.

Nun heißt es aber erst einmal pflegen, bewässern und jäten, bis die zarten Pflänzchen rund einen Meter hoch sind. Dann soll ein Fünftel geerntet und anschließend wieder nachgepflanzt werden. Ist der Acker abgeerntet, sind die ersten Pflanzen wieder nachgewachsen.

So schließt sich auch in Sachen Rohstoffgewinnung der Kreis.


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