Polizeigewalt gegen Schwarze in Österreich: Eine Geschichte der Schande

Der Tod des Afroamerikaners George Floyd durch Polizisten in den USA schlägt hohe Wellen. Auch hierzulande hat es immer wieder schwere Fälle von Polizeigewalt gegen Menschen dunkler Hautfarbe gegeben.

Bakary J. (M.) mit seinen Anwälten Nikolaus Rast und Susanne Kurtev 2015 vor Beginn des Zivilverfahrens im Justizpalast in Wien.
© APA

Wien – Fahrlässige Tötung, „eskalierte Amtshandlungen“ – auch hierzulande hat es immer wieder schwere Fälle von Polizeigewalt gegen Menschen dunkler Hautfarbe gegeben.

Vor 21 Jahren, am 1. Mai 1999, starb der 25-jährige Nigerianer Marcus Omofuma bei seiner Abschiebung im Flugzeug nach Sofia. Die drei begleitenden Fremdenpolizisten hatten ihn laut Zeugen in der Maschine gefesselt und geknebelt. Das Gericht in Korneuburg stellte in seinem Urteil knapp drei Jahre nach dem Tod Omofumas fest, dass er erstickt sei, und verurteilte die Beamten wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Umständen zu je acht Monaten bedingter Haft.

Der Fall sorgte für hohe Wellen und führte unter anderem zur Gründung des Menschenrechtsbeirats. Während bulgarische Gutachter von Haus aus den Beamten eine ursächliche Rolle beim Tod Omofumas zusprachen, stellte sich der damalige SPÖ-Innenminister Karl Schlögl weitgehend vorbehaltlos hinter die drei Beamten. Nicht zuletzt aufgrund der Divergenz in den Aussagen von Zeugen und Beamten und dem Gutachterstreit gab es von Anfang an großes Aufsehen um den Fall. Die Abschiebepraxis wurde letztendlich geändert.

Das Verhältnis zwischen Polizei und Menschen dunkler Hautfarbe blieb auch nach dem Fall Omofuma ein schwieriges. Im Juli 2003 starb der Mauretanier Cheibani Wague im Wiener Stadtpark bei einer Amtshandlung. Ein Polizist, der sich mit seinem Körpergewicht auf Wague gekniet hatte, und ein Notarzt wurden verurteilt, weitere Beamte und Sanitäter freigesprochen. Im April 2006 wurde der Schubhäftling Bakary J. aus Gambia von Polizisten misshandelt, nachdem er sich gegen seine Abschiebung gewehrt hatte. Vier WEGA-Beamte wurden zu mehrmonatigen bedingten Haftstrafen verurteilt und erst Jahre später entlassen.

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Im Februar 2009 wurde der US-Sportlehrer Mike Brennan in einer Wiener U-Bahnstation von der Polizei schwer verletzt – im Zuge der Amtshandlung hatte sie ihn mit einem mutmaßlichen Drogendealer verwechselt. Das Gerichtsurteil: Fahrlässige Körperverletzung, die Geldstrafe gegen den Polizisten wurde in zweiter Instanz reduziert. (car)


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