Anschober: „Ich rechne in Österreich nicht mit einer zweiten Welle“

Der grüne Gesundheitsminister Rudolf Anschober spricht sich für eine neue Kultur beim Wintertourismus aus. Für den Herbst wagt er einen positiven Ausblick auf den Alltag.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober fordert in Skiorten wie Ischgl eine neue Kultur.
© APA

Gesundheitsexperte Martin Sprenger war am Anfang der Pandemiekrise Mitglied des Corona-Expertenstabs. Er sagte, wir waren in Öster­reich bereits Ende März auf „trockenen Straßen unterwegs, aber die Regierung verordnete eine Schnee­kettenpflicht“.

Rudolf Anschober: Kommunikativ ist dies sicher ein spannender Satz, aber er geht an der Realität vorbei. Der von mir sehr geschätzte Herr Sprenger war da meines Erachtens nicht so nahe dran an den Entwicklungen. Als das Virus in Österreich für uns sichtbar Fuß gefasst hat, da haben wir relativ rasch mit unseren Empfehlungen für die Bevölkerung – von Hygieneanleitungen bis Abstandhalten – die ersten Maßnahmen gesetzt. Dies zeigte zwar Wirkung, aber von den zweistelligen Steigerungsraten sind wir nicht weggekommen. Für uns war Mitte März dann der richtige Zeitpunkt, den Lockdown zu setzen. Wir wollten verhindern, dass das Gesundheitssystem an seine Kapazitätsgrenze stößt.

Sprengers Zitat bezieht sich auf dieses Ziel. Er lobte das Verhalten der Regierung im März, aber Ende März war seines Erachtens allen klar, dass das Gesundheitssystem nicht kollabiert. Aber genau zu diesem Zeitpunkt warnten der Kanzler und der Vizekanzler vor möglichen 100.000 Toten in Österreich. Die Kritik, die an diesen Aussagen geäußert wurde, ist jene der Angstmache.

Anschober: Ich lehne eine Politik der Angst ab. Meine Wortwahl ging immer in Richtung Ermutigung und Hoffnung. Aber ich erachte es als notwendig, aufzuzeigen, was passiert, wenn nicht konsequent reagiert wird. Für mich war immer die Partnerschaft mit der Bevölkerung wichtig. Wir sind wirklich auf einem guten Weg. Ich bin davon überzeugt, dass wir bislang das Land mit einer ruhigen Hand durch die Krise geführt haben. Natürlich soll und kann man Details kritisieren. Kritik ist notwendig. Es sind Fehler gemacht worden, auch von mir. Aber dies ist auch unter enormem Zeitdruck, der vorherrschte, oftmals unvermeidlich. Es geht darum, aus Fehlern zu lernen. Unser Kurs wird international positiv bewertet. Wir bleiben im Bereich der Lockerungen auch weiter bei dem gesicherten Vorgehen des 14-Tage-Intervalls. Das Virus ist nicht verschwunden.

Wenn Sie nach Tirol blicken: Hätte dem Land nicht auch eine offene Fehlerkultur gut zu Gesicht gestanden?

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