Nachfrage ist gestiegen, Corona-Antikörpertests aber nur bedingt sinnvoll

Bei vielen Bürgern überwiegen persönliche Gründe, wenn sie einen Antikörpertest machen lassen – sie wollen Gewissheit. Macht ein Test aber auch Sinn?

  • Artikel
  • Diskussion
(Symbolbild)
© Thomas Böhm

Innsbruck – Corinna F. (Name der Red. bekannt) war in den Energieferien im Februar mit Mann und fünfjährigem Sohn in Südtirol auf Urlaub: „In dem Hotel waren viele Italiener, die husteten. Als wir zu Hause waren, hatte ich leichte Grippesymptome, aber ganz harmlos“, erzählt die Oberländerin. Anfang Mai wollte sie es angesichts der Covid-19-Berichterstattungen dann doch wissen und ließ via Hausarzt einen Antikörpertest machen, der positiv ausfiel. Ein Schritt, den immer mehr Tiroler als privat bezahlte Arztleistung machen.

Antikörpertests sind nur dann sinnvoll, wenn ein Mensch bereits eine Erkältung mit Covid-19-ähnlichen Symptomen in den Wintermonaten hatte, aber damals nicht auf Corona getestet wurde: „Die meisten der privaten Antikörpertests, die wir in unserem Labor durchführen, sind von Menschen, die im Februar oder März Symptome hatten, denen aber bei der Hotline 1450 kein PCR-Test empfohlen wurde“, sagt Johannes Möst, Facharzt für klinische Mikrobiologie und Inhaber eines Innsbrucker Labors, das Tests durchführt. Generell würde ein Antikörpertest frühestens 10 bis12 Tage nach Infektion Sinn machen – vorher sind keine Antikörper im Blut nachzuweisen.

Wurden Antikörpertests bezüglich ihrer Validität, sprich Wirksamkeit, bis vor Kurzem noch generell in Frage gestellt, gibt es mittlerweile ganz gute Tests von mehreren großen Anbietern. Jedes in Tirol ansässige Labor, das solche Tests durchführt, arbeitet mitunter mit verschiedenen Anbietern, auch die Preise sind verschieden gestaffelt.

Über eine Immunität sagt ein Test allerdings wenig aus. So erklärt auch der Innsbrucker Labormediziner Igor Theurl: „Wir wissen alle noch nicht, ob und wenn ja, wie lange Antikörper vor einer Neu-Infektion schützen.“ Dazu kenne man das Virus noch zu wenig lange. Dass Privatpersonen sich testen lassen würden, sei aus persönlichen Gründen nachvollziehbar – für die Medizin könnte eine Vielzahl solcher Tests auch aus epidemiologischen Gründen interessant sein, so Theurl. Die Aussage neuer Tests sei gut, auch weil im Zweifel eine Kombi mit einem zweiten Test gemacht werde. Goldstandard sei ein Neutralitätstest, dieser werde aber in letzter Instanz nur im Hochsicherheitslabor der Virologie durchgeführt. (lipi)


Kommentieren


Schlagworte