WWF-Expertin Götsch: „Geisler ist für mich nicht mehr tragbar“

Unabhängig von einem Telefonat und einem geplanten Treffen mit LH-Stv. Josef Geisler erwartet sich WWF-Expertin Marianne Götsch Konsequenzen. Die Erklärungsversuche zum "Luder-Sager" seien fadenscheinig, so die Aktivistin.

LHStv. Josef Geisler (l.) und LHStv. Ingrid Felipe nahmen die Petition entgegen. Dabei erfolgte Geislers Beschimpfung der WWF-Gewässerschutzexpertin: Er bezeichnete sie als „widerwärtiges Luder“. Geisler entschuldigte sich dafür.
© Paschinger

Von Peter Nindler

Innsbruck – Freitagvormittag war die WWF-Gewässerschutzsprecherin Marianne Götsch endgültig von den Socken: Trotz Entschuldigung am Vortag von ÖVP-Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler für seine verbale Entgleisung („widerwärtiges Luder“) bei der Übergabe einer Petition gegen das Kraftwerk Tumpen-Habichen musst­e sie in der Süddeutschen Zeitung (SZ) einen mehr als missglückten Erklärungsversuch seines Büros zu lesen. In Tirol werde „Luder“ umgangssprachlich für eine „schlitzohrige, hartnäckige Person“ verwendet und sei nicht zwingend negativ, hieß es da.

„Das entlarvt seine Entschuldigung als mehr als fadenscheinig, außerdem gab es bereits den Versuch einer Täter-Opfer-Umkehr“, sagt Götsch zur TT. Geislers Äußerung sei einfach frauenverachten­d gewesen und offenbare offensichtlich sein Weltbild.

Marianne Götsch (2.v.r.) bei der Übergabe.
© Paschinger

Nach einer schriftlichen Entschuldigung, die Götsch nicht ausgereicht hat, gab es gestern ein Telefonat, für nächste Woche wurde ein Treffen mit Geisler vereinbart. Unabhängig davon ist der hohe politische Amtsträger Geisler für Götsch politisch nicht mehr tragbar. Sie erwartet sich Konsequenzen. „Aber das ist eine Angelegenheit der Politik.“

Geisler selbst bezeichnete die Erklärung gegenüber der SZ im Nachhinein als „Blödsinn“. „Ich habe mich ohne Wenn und Aber entschuldigt und auch um ein persönliches Treffen gebeten. Ich weiß, dass meine Äußerung inakzeptabel war.“ Anlass für einen Rücktritt sieht er allerdings keinen. „Ich habe meinen Fehler sofort eingestanden und mich entschuldigt.“ Darauf verweist auch Landeshauptmann Günther Platter. „Die Äußerung von Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler war eine indiskutabl­e Entgleisung, für die er sich richtigerweise sofort in aller Form öffentlich und auch persönlich bei der Umwelt­aktivistin entschuldigt hat.“

📽 Video | WWF-Video von der Petitionsübergabe

Nicht nur in der Opposition gehen die Wogen hoch, auch bei den Grünen rumort es. Landtagsvizepräsidentin Stephanie Jicha stellt Geisler bereits in Frage: „Wer sich in Ausreden windet, statt sich klipp und klar zu entschuldigen, muss sich hinterfragen.“ Für sexistische Aussagen dürf­e es im Jahr 2020 keinen Platz in der Politik geben. „Wer das als Inhaber eines hohen Amtes nicht verstanden hat, ist deplatziert.“ Für die Grünen ist das jedoch eine Angelegenheit der ÖVP und von Geisler selbst.

Die anderen Parteien haben ihr Urteil schon gefällt: „Die frauenfeindliche Aussage, die Geisler getätigt hat, ist ein klarer Rücktrittsgrund“, befindet FPÖ-Landesparteiobmann Markus Abwerzger. Solche Aussagen und Rechtfertigungen dürften in einer Regierung keinen Platz haben, fordert NEOS-Klubobmann Dominik Oberhofer klare Schritte. „Weil sich Geisler offenbar keiner Schuld bewusst ist.“

Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) betonte auf Twitter: „Sexismus hat in Österreich keinen Platz“. Die Entschuldigung Geislers sei „mehr als angebracht“ gewesen.


Kommentieren


Schlagworte