Bänken- und Falbesoner Nockalm: Dem Adler auf der Spur

Die Bänken- und Falbesoner Nockalm im hinteren Stubaital sind besondere Kleinode. Möglich ist eine schöne Rundwanderung, die beliebig ausgedehnt werden kann.

  • Artikel
  • Diskussion
Halten sie nach Adlern Ausschau? Das Trio vor der Bänkenalm blickt jedenfalls in die Höhe.
© Irene Rapp

Von Irene Rapp

Neustift – Heutzutage führt auf viele Tiroler Almen ein breiter Fahrweg, um die Arbeit des Almpersonals zu erleichtern. Auch auf die Falbesoner Nockalm oberhalb von Ranalt/Neustift gibt es so einen (nicht als offizielle Mountainbike-Strecke ausgewiesen). Nur über einen Steig kann hingegen die Bänkenalm noch weiter taleinwärts erreicht werden. Eine idyllische Einkehr, wo Hubertus Pfurtscheller und seine Lebensgefährtin Fee Gäste empfangen und wo man sich wie in einem Adlerhorst hoch über dem Tal vorkommt.

Einen Adlerhorst gibt es in der Nähe wirklich, doch dazu später. Auf jeden Fall kann man sowohl Bänken- als auch Falbesoner Nockalm im Rahmen einer schönen Rundwanderung erkunden. Und die Strecke besticht nicht nur durch die schöne Landschaft und die Geschichte, sondern auch die vielen Bankerln, die zum Rasten einladen.

Weiter geht es auf einem schönen Steig ...
© Irene Rapp

So kommt man hin: Im Stubaital steuert man Neustift an, dort bis nach Ranalt fahren und bei Hans Winkler/Gasthaus Falbesoner fragen, ob man vor seinem Haus parken kann (Ranalt ist auch erreichbar mit dem Regiobus 590). Gleich neben den Häusern (bei einem grauen Container) führt ein Steig in den Wald hinauf (Wegweiser). Wir haben am vergangenen Samstag die Runde mit der Bänkenalm als erstes Ziel gestartet, man kann von hier aus die Runde aber auch umgekehrt (über die Nockalm) starten. Bei einer Wegteilung also rechts hinauf in ein idyllisches Waldstück und gleich steil bergauf.

Hier ist gute Orientierung gefragt, aber viele Markierungen erleichtern die Steigsuche. Wer sich nicht sicher genug dafür fühlt, kann die Wanderung auch beim Parkplatz zur Nürnberger Hütte starten (weiter taleinwärts) und der Abzweigung zur Bänkenalm folgen. Einmal kreuzt man den Forstweg (zur Nockalm), hier befindet sich die Station der Materialseilbahn zur Bänkenalm.

... zur Falbesoner Nockalm.
© Irene Rapp

Wir benützen aber gleich wieder den Steig, der von hier hinauf in den Wald abzweigt. In wunderschönem Gelände gewinnt man so Meter um Meter, der Blick aufs hintere Stubaital und die Gletscher wird immer freier und die dominante Mairspitze (2781 m) wacht über einem. Bei einer Wegteilung den Schildern folgen, und dann hat man nach rund zwei Stunden Gehzeit die Bänkenalm auf 1860 Metern Seehöhe erreicht.

Die Einkehr hat ihren Namen übrigens von dem stufenförmigen Gelände, das sich dahinter hinaufzieht (Bank, Bänkenalm) und das Gelände ringsherum gehört Hubertus Pfurtscheller. Vor vielen Jahren gab es hier viel Almvieh, dann wurde das Vieh weniger und das Gelände wuchs zu. Darüber freut sich ein Adlerpaar – „das nistet gleich oberhalb des Hauses“ erzählt Fee. Fee und Hubertus bewirten ihre Gäste mit kleinen Gerichten und gutem Kuchen, und von der Terrasse aus hat man einen tollen Blick auf die Umgebung. Man sieht etwa die Falbesoner Ochsenalm auf der anderen Talseite und sogar die Nürnberger Hütte (aber nur, wenn man weiß, wo man zu suchen hat).

Am Weg nach Ranalt findet man Geweihe auf Bäumen.
© Irene Rapp

Weiter geht es dann Richtung Falbesoner Nockalm, indem man wieder kurz absteigt und sich bei der vorhin erwähnten Wegteilung talauswärts hält. Auf einem Steig geht es in schönem Gelände in angenehmen Serpentinen hinab, einmal muss ein Bach gequert werden, und dann erreicht man die vor wenigen Jahren neu errichtete Alm. Auffallend hier ist der riesige Begrenzungsdamm, den die Wildbach- und Lawinenverbauung errichten ließ, weil immer wieder Lawinen ins Tal donnerten.

Auffallend ist aber auch die alte Falbesoner Nockalm unterhalb der neuen Einkehr. Diese steht hier seit dem 17. Jahrhundert und kann mit zahlreichen Besonderheiten aufwarten. Hans Gleinser aus Neustift bewahrte die Alm nämlich vor dem Verfall und renovierte sie.

Dabei kam allerhand altes Werkzeug von früher zutage, welches er im alten Stall nun liebevoll präsentiert – wie in einem kleinen Museum. „Immer wieder muss ich Gästen erklären, worum es sich dabei handelt“, erzählt er. So zum Beispiel hängt an der Wand eine „Ferggl“ – damit wurde früher Heu getragen.

Das Tolle an der alten Falbesoner Nockalm ist aber auch die Rauchkuchl. „Das ist die letzte im Stubaital“, erzählt Gleinser, der gerade über dem offenen Feuer in einer riesigen Pfanne ein Mus gekocht hat. In wenigen Wochen könnte der Stubaitaler allerdings auch noch etwas anderes verkochen: Unterhalb der Hütte hat er nämlich auf einem kleinen Stück Wiese Kartoffeln angepflanzt. Rundherum mit einem Band abgezäunt, „damit mir die Hirsche nichts wegfressen“.

Auf der alten Nockalm kocht Hans Gleinser Mus in der Rauchkuchl.
© Irene Rapp

Zurück ins Tal gelangt man dann, indem man die wenigen Meter wieder hinauf zur neuen Falbesoner Nockalm geht. Von hier aus könnte man die Runde noch erweitern – und zwar führt ein neu angelegter Steig weiter zur Bacherwand­alm, die man von hier aus sieht und die ein wenig weiter talauswärts liegt. „Das ist der neue Almrosensteig“, wie Gleinser erzählt.

Wir jedoch sind auf der Forststraße taleinwärts bis zur nächsten Kurve gewandert und von dort dem Wegweiser gefolgt und in den Wald abgezweigt. Auf einem Steig geht es nun wieder hinunter nach Ranalt zum Ausgangspunkt. Der Weg ist liebevoll gestaltet – immer wieder hängen Infotafeln an einem Baum und geschnitzte Holzfiguren. Auf einer kleinen ebenen Fläche im Wald finden sich zudem viele Hirschgeweihe an den Bäumen – ein idyllisches Platzerl. Fazit: eine angenehme, anschauliche Runde!


Kommentieren


Schlagworte