Heidi Popovic: Verführung im digitalen Serail

Kaleidoskopartige Bildorgien von Heidi Popovic in der Innsbrucker Galerie Rhomberg.

Heidi Popovic: „Serail 1“, 2020, Digitalzeichnung/Aluminium.
© popovic

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Als Künstler nennt sich der vor 50 Jahren in Wien als Christian Pölzler geborene Textildesigner und Bühnenbildner Heidi Popovic. Assoziationen mit den unterschiedlichsten Heidis sind dabei alles andere als zufällig, genauso wie die Wahl des Nachnamens, der dem exzentrischen Psychiater Nikita Popowitsch aus der 1960er-Komödie „What’s New Pussycat?“ geklaut wurde.

Dieser Popowitsch ist ein potenzieller Verführer, genauso wie auf seine Art Heidi Popovic, wenn er in der Galerie Rhomberg in muslimische Serails entführt. Um die Betrachter visuell mit opulenten Bildorgien zu verführen, die sehr exotisch daherkommen und doch sehr viel mit uns zu tun haben. Indem der Künstler, dessen zweite Heimat seit vielen Jahren Istanbul ist, dort in Palästen und Moscheen gefundene Fliesen- und Stoffmuster zu digitalen Zeichnungen transformiert und sehr heutig überformt.

Kaleidoskopartige Szenarien tun sich dabei auf, deren klare Strukturen Popovic gern „stört“. Indem er etwa Details des scheinbar flächig zelebrierten Gefüges wie von hinten erhellt aufblitzen lässt. Eingriffe, die den Betrachter ganz bewusst verunsichern sollen, klar machen, dass der Künstler sehr viel mehr als dekorative historische Reverenzen meint.

Was besonders dann offensichtlich wird, wenn Heidi Popovic seine sehr speziellen „Orientteppiche“ zur Spielwiese für seine popartistisch verpackte Globalisierungs- und Kapitalismuskritik macht. Etwa in der wandfüllenden digitalen Zeichnung auf Papier „After the Party“, die Leonardos „Das letzte Abendmahl“ auf schräge Weise weiterdenkt. Fokussiert auf die orientalisch gemusterte Tischplatte, die hier vollgemüllt ist mit den Korken teurer Weine, vollen Aschenbechern und leeren Zigarettenschachteln, u. a. denen des Damen- bzw. Kaugummizigaretten rauchenden Johannes oder Judas.

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Popovics Kunst als nur dekorativ abtun zu wollen, griffe viel zu kurz. Soll sie doch – auch – weh tun, etwa eine lustvoll aus Dildos, Handschellen und Rasierklingen gepuzzelte digitale, auf Alu gedruckte Zeichnung. Wobei auch der Humor nie zu kurz kommt, wenn die Muttergottes Maria etwa Burka trägt oder der christliche Kreuzweg als Lustspiel inszeniert ist. Ein Hund hilft da Jesus beim Kreuztragen, sein Leichnam wird per Müllauto entsorgt, die Auferstehung erfolgt aus der Spielzeugkiste.


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