Steigende Nachfrage: Tourismus in Tirol soll nicht als Ganzes hinterfragt werden

Die Sommersaison läuft für die Tirol Werbung trotz Corona gut an. Fokus auf naturnahen und nachhaltigen Urlaub. Screeningstraße startet in Ellmau.

Allein auf weiter Flur, mitten in der Tiroler Natur. Die Naturparks werben mit Wanderungen und dergleichen „sanften“ Angeboten.
© Olympiaregion Seefeld, Stephan Elsler

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck, Ellmau – Das Schwarzmalen ist Florian Phleps Sache nicht. Das ist auch nicht sein Job. Der Geschäftsführer der Tirol Werbung muss nicht nur den Corona-Makel, den Tirol in den vergangenen Wochen wegen des fehlerhaften Krisenmanagements abbekommen hat, zumindest am Gästemarkt wieder ausbügeln, sondern auch die Nachfrage nach dem Lockdown samt Grenzschließungen wieder in Schwung bringen. Dafür hat er vom Land vier Extra-Millionen bekommen. Diese seien noch nicht verbraucht, wie Phleps gestern sagte: „Wir können unsere Kampagnenfähigkeit aufrecht halten.“

"Wird eine gute Sommersaison werden"

Der Sommer laufe inzwischen recht gut an, sagt Phleps. Viel geholfen habe dabei die Ankündigung der Grenzöffnungen. Insbesondere zum Hauptmarkt Deutschland am 15. Juni: „Die Nachfrage wächst – es wird eine gute Sommersaison werden.“ Und auch die Aussichten auf den Herbst seien – aufgrund einer optimalen Ferienlage – nicht die schlechtesten.

Naturparks werden gepusht

Tirol pusht derzeit den „sanften Tourismus“. Auch wenn LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) diesen Begriff nicht mehr gerne hören mag. Eine Bergtour in Tirol sei auch kraftraubend – Felipe hört deshalb lieber die Worte „nachhaltig und klimafit“. Regional, naturnah, nachhaltig – das sollen die Attribute des neuen Tourismus in Tirol sein. So ganz neu sei das zwar nun auch wieder nicht, wie Felipe selbst zugibt, Tirol habe schon vieles diesbezüglich auf Schiene gebracht.

Ein Teil davon seien die vielen Naturparks. So wie jener gleichnamige im Karwendel. Dem steht Hermann Sonntag vor: „Wir erfahren jetzt eine stärkere Wertschätzung, als es noch vor Corona der Fall war.“ Eine Landschaft, die eine Geschichte erzählt, engagierte Mitarbeiter, die selbige auch vermitteln können, und ein intakter Naturschutz – all das würden die Naturparks in Tirol aufweisen, so Sonntag. Und damit den touristischen Nerv der Zeit treffen.

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Wandern, Klettern, Radeln

Darauf setzt auch die aktuelle Kampagne der Tirol Werbung: Wandern, Klettern, Radeln. Man müsse den Tourismus nicht als Ganzes neu erfinden, sagt Phleps. Zentrale Erfolgsmuster, wie der Wintersport und die familiengeführten Betriebe, seien vorhanden, jetzt gehe es um „eine Weiterentwicklung“. Abgestimmt auf eine sich geänderte Wertehaltung. Einen Widerspruch zu touristischen Großprojekten und der Vermittlung unberührter Natur sieht Phleps nicht: „Es braucht ein Sowohl-als-auch.“

Felipe glaubt ohnedies, dass sich die projektbezogene Nachdenkpause in Folge der Corona-Krise ganz von alleine einstellen werde: „Einige Projekte sind bereits verschoben worden. Alle werden sich jetzt ganz genau überlegen, wo noch investiert wird.“

Hörl: „Da ist nicht viel Neues dabei"

Seilbahnsprecher Franz Hörl – er war gestern stiller Zaungast der Pressekonferenz – sind all die Aussagen noch „zu plakativ“: „Da ist nicht viel Neues dabei. Alles muss neu werden, aber keiner sagt mir wie.“ Winterwanderwege oder Langlaufloipen würden auch in Zukunft Nischenprodukte bleiben, so Hörl.

Screeningstraße startet in Ellmau

Indes steht auch Sicherheit im Tourismus hoch im Kurs. So wird im TVB Wilder Kaiser heute am Parkplatz West in Ellmau die versprochene Corona-Screeningstraße für Tourismusmitarbeiter in dieser Pilotregion eröffnet.


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