Neuer Mercedes GLE: Die Rückkehr des Verschollenen

Die neueste Generation des Mercedes GLE ließ lange auf sich warten – wegen Produktionsproblemen in den USA. Jetzt ist das Oberklasse-SUV in Tirol angekommen, ein Highlight ist das MBUX-Infotainmentsystem.

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Dynamischer gezeichnet als die Vorgänger, aber nicht so athletisch wie das Coupé-Derivat: der Mercedes GLE, hier als 350d 4Matic.
© Markus Höscheler

Von Markus Höscheler

Thaur – Auf der einen Seite kann sich Mercedes rühmen, das Angebot an Sport Utility Vehicles und Geländewagen konsequent ausgebaut zu haben; auf der anderen Seite muss sich die Sternmarke damit abfinden, dass bei der Ausweitung des entsprechenden Sortiments längst nicht alles rund gelaufen ist. Beginnen wir mit dem ersten Teil: Vom Kompaktwagensegment bis in die Luxusklasse sind die Schwaben mit vielerlei Hochbeinern unterwegs, im Regelfall auch mit besonders dynamisch abgestimmten AMG-Varianten, in zwei Bereichen auch mit Coupé-Derivaten – lediglich im volumenreichen subkompakten Revier glänzt das Label mit Absenz. Was ebenfalls Eindruck hinterlässt: Alternative Antriebe gibt es beziehungsweise sind angekündigt. Plug-in-Hybride, reine Elektroautos, sogar Wasserstoff-Brennstoffzelle wurden beworben.

Doch unabhängig von der Corona-Krise gab es seitens des süddeutschen Herstellers Probleme. Der GLC Fuel Cell offenbarte sich nur als halbherzig verfolgtes Modell, mehr als Leasing war nicht drin – zudem verkündete Daimler vor ein paar Wochen den zeitweilige Abschied von weiteren Pkw-Wasserstoffprojekten. Der EQC, ein Midsize-SUV mit rein elektrischem Antrieb, verkauft sich nicht gerade wie „geschnitten Brot“. Und bei der Einführung der neuesten GLE-Generation (früher auch M/ML-Klasse) verhedderte sich Mercedes: Im amerikanischen Produktionswerk gab es offensichtlich Qualitätsprobleme, die Auslieferungen verzögerten sich. Die Markteinführung war für Anfang 2019 geplant – knapp eineinhalb Jahre später hat es ein Testfahrzeug in den TT-Fuhrpark geschafft.

Was uns sogleich überraschte: Mercedes stellte ein Exemplar zur Verfügung, das trotz Oberklasse-Zugehörigkeit weniger als 100.000 Euro kostete. Da mag manch potenzieller Interessent das ein oder andere Extra vermissen, etwa ein Head-up-Display oder ein besonderes Komfort-Feature – doch das wäre ein Jammern auf zu hohem Niveau. Denn der GLE 350 d 4Matic bringt nahezu alles mit, was ein gediegenes Fahrniveau anbelangt: Wir dürfen an dieser Stelle von einer Volllederausstattung schwärmen, einer komfortablen Fahrwerksabstimmung, einem durchdachten Raumangebot, einem hohen Sicherheitsniveau und auch von einem überzeugenden Motor-Getriebe-Ensemble.

Ein 2,9-Liter-Sechszylinder-Turbodiesel kann mit 272 PS und 600 Nm maximalem Drehmoment mehr als genug Kraft aufbringen, um den 2,1-Tonner auf Trab zu bringen. Die Koppelung mit der Neunstufenautomatik verläuft weitgehend harmonisch, die Funktionsweise lässt sich bei Bedarf sportlicher, also hochtouriger, abstimmen. Im Hintergrund immer aufmerksam mit dabei: der Traktion sichernde Allradantrieb. Beim Bremsen kann der Hochbau sein Gewicht nicht ganz verbergen, bei der Beschleunigung jedoch gibt sich der GLE leichtfüßig, auch dank des mit hoher Laufkultur agierenden Ölbrenners. Durchschnittlich begnügte er sich im Test mit zehn Litern je 100 Kilometer.

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Absolutes Highlight, einmal mehr in einem Mercedes, ist das MBUX-Infotainmentsystem, das hier mit einem Widescreen-Armaturenbrett in volldigitaler Darstellung arbeitet. Hinter dem Lenkrad leuchten mit hoher Auflösung und individuell einstellbar die Instrumente, daneben befindet sich direkt angeschlossen die zweite Bildschirmeinheit für die Navigation, die Fahrzeugeinstellung, die Klimatisierung und die Beschallung. Die Bedienung ist auf verschiedene Arten möglich, etwa über die Berührungsfunktion am Bildschirm selbst, über einen ausgetüftelten Controller auf der Mittelkonsole, über Direktwahltasten am Lenkrad oder über die Sprachbedienung. Lediglich die zuletzt genannte Vorgangsweise mochte nicht immer so funktionieren, wie wir es gerne gehabt hätten, ansonsten gab es nicht den geringsten Anlass, MBUX zu tadeln.


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