Corona-Krise

Kunst benötigt in der Krise einen Chor der Solidarität

Die Zivilgesellschaft wehrt sich, wenn für die Kulturnation Kunst selbst nicht mehr „ministrabel“ ist. Alfred Dorfer und Angelika Kirchschlager präsentierten als Antwort auf die Corona-Krise die Initiative „Wir und Kultur“.
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Die politischen Versäumnisse der vergangenen Woche nach dem Lockdown lösten in der Kulturszene berechtigt Wut und Enttäuschung aus. „Wir und Kultur“ – Persönlichkeiten werben dafür, die Kunst wieder in der Mitte der Gesellschaft zu verankern.

Von Michael Sprenger

Wien – Es ist hinlänglich bekannt, dass viele Kulturschaffende dieses Landes ohne ökonomisches Netz arbeiten. Die politischen Versäumnisse der vergangenen Woche nach dem Lockdown lösten in der Kulturszene berechtigt Wut und Enttäuschung aus. Dies alles ist bekannt – naturgemäß auch der Opernsängerin Angelika Kirchschlager und dem Kabarettisten Alfred Dorfer. Die Mitinitiatoren von „Wir und Kultur“ wollen nicht als Bittsteller auftreten, sondern im Sinne André Malraux’ ihren Beitrag dazu leisten, „Kunst und Kultur wieder verstärkt in der Mitte der Gesellschaft zu verankern“. Zu diesem Zwecke kam am Dienstag eine illustre Schar Prominenter zusammen, die sich für die Kultur und Kunst in Szene setzte. Es waren allesamt eben keine Kulturschaffenden, die im Haus der Industrie, unter dem großen Porträtgemälde von Kaiser Franz Joseph, in den „Chor der Solidarität“ einstimmten. Die Zeit sei gekommen, um das „Ende des neuen Bidermeiers“ auszurufen, sagte Birgit Reitbauer, Gastronomin des Haubenlokals „Steirereck“.

Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer, verwies auf die prekäre Lage vieler Kunstschaffender: „Ich glaube, wir sollten uns hier zusammentun und gemeinsam dafür eintreten, dass die Kulturszene wieder aufgebaut werden kann.“

Berührend die persönlichen Worte des früheren Fußballstars Herbert Prohaska, als er schilderte, welchen Einfluss die Kunst, insbesondere die Oper, auf sein Leben hat. „Wir sind nicht unbedingt eine Sportnation, aber wir sind hundertprozentig eine Kulturnation“, sagte der Ausnahmekicker, der einst AS Roma zum italienischen Meister geführt hat. Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums Wien, verwies auf die einstige Bedeutung des jüdischen Großbürgertums für die Entstehung des Begriffs „Kulturnation“ – und wie man „aus Dank dafür, die Juden ausrotten wollte“.

In diesem Zusammenhang klang es mahnend, als der frühere Raika-Boss und spätere Flüchtlingskoordinator Christian Konrad anfügte: „Jede Gesellschaft hat eine Kultur – die Frage ist nur welche?“ Für Konrad ist klar: „Wien und Österreich ist ohne Kultur nicht vorstellbar.“

Der Initiative gehe es um eine Bewusstmachung, wie zentral Kunst und Kultur für Österreich seien. Da stimmt dann auch Georg Kapsch, scheidender Präsident der Industriellenvereinigung, ein. „Die Industrie schafft die Rahmenbedingungen für das Leben – aber Kultur ist das Leben“, Kultur sei zudem „die Abkehr von Kleingeistigkeit, Populismus und Nationalismus, was in der „heutigen Zeit essenziell“ sei.

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