Krach UniCredit gegen BTV: Rasinger ruft nach Stopp

Bei der heutigen BTV-Hauptversammlung drohen wieder eine Eskalation und ein Sitzungsmarathon. Anlegerschützer verlangt einen Mediator.

Die BTV-Zentrale in Innsbruck.
© BTV

Von Alois Vahrner

Innsbruck – Seit über einem Jahr tobt der von der UniCredit Bank Austria losgetretene Rechtsstreit gegen die 3-Banken-Gruppe mit Oberbank, Bank für Kärnten und Steiermark (BKS) und die Bank für Tirol und Vorarlberg (BTV). Die drei Regionalbanken sind untereinander beteiligt, die italienische Großbank will nach deren Ansicht offenbar mit ihrer millionenschweren Klagslawine eine feindliche Übernahme durchsetzen. Bisher allerdings setzte es für die UniCredit eine Niederlagenserie vor Gericht. Erst zuletzt hatte das Oberlandesgericht Innsbruck eine Klage auf Sonderprüfung abgewiesen und der Bank Austria die Prozesskosten aufgebrummt.

Bei der heutigen BTV-Hauptversammlung wird aber weiter an der Eskalationsschraube gedreht. Die UniCredit brachte eine Serie an sieben neuen Prüfanträgen ein. „Völlig absurd und uferlos“, wie BTV-Vorstandschef Gerhard Burtscher, der mit einer acht- bis zehnstündigen Hauptversammlung rechnet, jüngst betonte. Zudem wurde eine 15-Millionen-Schadenersatzklage gegen die drei BTV-Vorstände (neben Burtscher sind das Mario Pabst und Michael Perger) eingebracht. Für Burtscher ist das ein „Tabubruch und neuer Tiefpunkt“.

Die UniCredit Bank Austria (Generaldirektor Robert Zadrazil war bisher persönlich zu keinem Gespräch mit der TT bereit) betont, man wolle Aktionärsrechte wahrnehmen, „um die notwendige Transparenz in der Geschäftsgebarung des Vorstands der BTV zu erlangen“. Man wolle auch „Aufklärung zu den intransparenten wechselseitigen Beteiligungsstrukturen und dem Verstoß gegen das Verbot der Einlagenrückgewähr“ bei verschiedenen Kapitalerhöhungen, ebenso über die Zuschuss-Gewährung der BTV an die Generali 3 Banken Holding (G3B). Und zur Klage gegen den Vorstand der BTV: „Es ist wichtig klarzustellen, dass es nicht um eine Klage der UniCredit Bank Austria gegen das Management der BTV geht, sondern um Rückerstattungsansprüche der BTV gegen die Generali 3 Banken Holding (G3B). Diese Klagen müssten vom Aufsichtsrat der BTV für erlittene Schäden eingebracht werden.“

Ein rasches Ende des Konflikts verlangt Österreichs führender Kleinanleger-Vertreter Wilhelm Rasinger. Er sei wie viele andere Anleger „extrem unglücklich“ über den Streit. Heute wieder eine acht- bis zehnstündige Versammlung anzuzetteln, sei „schädlicher Aktionismus“ der UniCredit zum Schaden aller. Gerade in der aktuellen Corona-Krise gäbe es für die Banken Wichtigeres, als in einer teuren, öffentlichen Schlammschlacht Heere von Anwälten aufeinander loszulassen.

BTV, Oberbank und BKS seien sehr erfolgreich agierende Regionalbanken, deren gegenseitige Beteiligungs-Konstruktion „heute keinen Schönheitspreis gewinnen würde“. Die Bank Austria sei von der UniCredit nach dem Verlust des Ostgeschäfts zur großen Regionalbank degradiert worden. Die Beteiligung an BTV & Co. sei historisch bedingt. Es sei verständlich, dass man als großer Minderheitsaktionär gut behandelt werden wolle, hier hätten sich die Aktionäre aber klar auseinandergelebt. Wie in einer gescheiterten Ehe gehe es darum, „statt mit einem Rosenkrieg mit Anstand auseinanderzugehen“. Sonst würden wie so oft die Kinder, in diesem Fall die Aktionäre, leiden. Es braucht laut Rasinger jetzt dringend einen Mediator, der mithilft, den Streit zu beenden und den Ausstieg zu organisieren.


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