Raabs „Helga räumt auf“: Showdown hoch zu Traktor

Thomas Raab schickt seine rustikale Hobbydetektivin Hanni Huber in ihr zweites Abenteuer: Zwei Dorf-Clans rechnen ab.

Thomas Raab, Jg. 1970, war Lehrer und ist Musiker. Mit seinen Metzger-Romanen (ab 2007) schaffte er als Krimi-Autor den Durchbruch.
© Aichner

Von Markus Schramek

Innsbruck – Für die Starköche unter uns Männern hat Thomas Raab ein Rezept parat, bei dem wenig schiefgehen kann, außer der Kühlschrank ist gänzlich leer: eine Eierspeise, verquirlt mit drei Löffeln Sauerrahm, beschneit mit Hartkäse. Da freut sich das Mannsbild! Und da freut sich der Raab-Fan, denn der 49-jährige Wiener Krimi- schreiber kredenzt mit „Helga räumt auf“ Teil zwei seiner Hanni-Huber-Reihe.

Eine Buchveröffentlichung mitten im verlangsamten Corona-Modus bedeutet für die meisten Autoren eine mittlere Katastrophe: zu wenig mediale Aufmerksamkeit, (Vor-)Lesungen bestenfalls im kleinsten Rahmen. Der erfolgsverwöhnte Raab hat es da etwas besser. An ihm kommt keiner vorbei, seit er vor über zehn Jahren mit den Willibald-Adrian-Metzger-Krimis die Untiefen heimischer Unterhaltungsliteratur in Wallung brachte. 2017 wurde der Ex-Lehrer (u. a. für Mathematik – Respekt!) standesgemäß mit dem 1. Österreichischen Krimipreis ausgezeichnet.

Nun also verspürt eine gewisse Helga das Bedürfnis, Ordnung zu schaffen. Raab heftet sich an ihre Fersen und hält dabei schreiberisch millimetergenau Kurs. Einfach wie die Zubereitung einer Eierspeise sind auch die Bausteine seiner trashigen Romane. Diese gleichen mehr einer Milieubeschreibung (tiefster provinzieller Mief), denn einer Annäherung an die hohe Schule kriminalistischer Kleinarbeit. Was soll’s, am Ende befriedigen Speise und Buch viele (nicht allzu anspruchsvolle) Geschmäcker.

Das handelnde Personal, mit der 72-jährigen Witwe Hanni Huber als naiv-unerschrockene Spürnase im Mittelpunkt, kennen wir noch aus Fall Numero eins – sofern es diesen überlebte.

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Da gibt es Swoboda, die Karikatur eines Polizisten. Zu ihm gesellt sich ein Kottanesker Ermittler-Schussel namens Brauneder (Gemein! Denn unter diesem Namen kickte einst ein vorzüglicher Wiener Fußballer mit Vornamen Karl). Kurt Stadlmüller geriert sich bedeutungsschwer in seiner Doppelfunktion als Bürgermeister und Dorfarzt. Und Pfarrer Feiler, ein Hallodri wie nur was, übt sich in Keuschheit, allerdings erst seit Kurzem.

Denn Hochwürden waren ein Womanizer vor dem Herrn. Gleich zwei Frauen aus zwei Generationen, die ältere Katharina und die jugendliche Helga, ähneln dem geistlichen Würdenträger nur allzu frappant.

Auch sonst ist vieles faul in den Beziehungen zweier Dorf-Clans, der Familie Praxmoser auf der einen Seite des Zauns und den Grubmüllers auf der anderen. Zwar sind beide Sippschaften durch Verehelichung miteinander wahlverwandt – das heiratbare Angebot im Dörfchen Glaubenthal ist schließlich überschaubar. Den Hass aufeinander mag das aber nicht zu besänftigen. Der Kampf um die Vorherrschaft in Wiese und Wald steuert auf den Showdown zu. Im Stile eines Austro-Western wird alles aufgefahren, mit dem sich Schaden anrichten lässt: Jagdwaffen, Jauche, Traktorenmonster.

Am Ende sind neun Menschen tot. Das ist ziemlich viel Blut, auch wenn Raab gewohnt fabulierfreudig über seine Romanleichen hinwegturnt. Wenn das aber so weitergeht, ist Glaubenthal bald ausgestorben.

Roman

Thomas Raab: Helga räumt auf. (Frau Huber ermittelt – Der zweite Fall). Kiepenheuer & Witsch 2020, 325 Seiten, 20,60 Euro.


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