Kokain und Prostituierte: Poker-Ring in Innsbruck zerschlagen

Polizei und Staatsanwaltschaft meldeten am Mittwoch die Zerschlagung einer Glücksspiel-Organisation in Innsbruck. Ein ungewöhnlicher Kriminalfall.

Monatelang observierten die Einsatzkräfte die Verdächtigen. Am Dienstag wurden sieben Beschuldigte bei einer Großrazzia festgenommen.
© APA

Von Thomas Hörmann

Innsbruck — Die Organisatoren der illegalen Pokerabende in einer Innsbrucker Wohnung hatten an (fast) alles gedacht. Für das nächtliche Durchhaltevermögen der betuchten Spieler hatten sie Kokain im Angebot, für sonstige Bedürfnisse Prostituierte. Doch jetzt ist damit Schluss: Am Dienstag nahmen Polizeibeamte bei einer Großrazzia sieben Verdächtige fest. Wie gut die verbotenen Geschäfte liefen, offenbarte sich bei den insgesamt neun Hausdurchsuchungen. Dabei beschlagnahmten die Beamten neben etwa 1000 Gold- und Silbermünzen 230.000 Euro in Bar, 80 Gramm Kokain und fünf Autos, darunter zwei ­Audi A8.

Ausgelöst wurden die Ermittlungen bereits im Frühling 2019. Und zwar durch Beamte des Strafamtes der Landespolizeidirektion, die seit Jahren die illegale Glücksspielszene in Innsbruck bekämpfen. Dabei erfuhren die Strafamtsmitarbeiter von illegalen Pokerabenden in einer Innsbrucker Wohnung. Und von Kokaingeschäften.

"Spielern Kokain und Prostituierte zur Verfügung gestellt."

Die Informationen leiteten die Beamten an das Landeskriminalamt weiter. Und das nahm in der Folge Ermittlungen auf. Mit Erfolg — schon bald konnten die Kriminalisten mehrere Verdächtige identifizieren. Ab Herbst wurden die mutmaßlichen Organisatoren der illegalen Geschäfte und deren Handys überwacht. Dabei stellte sich heraus, dass „die Pokerrunden fast wöchentlich seit Sommer 2018 stattfanden", erzählt Katja Tersch, Leiterin des Landeskriminalamtes: „Dabei wurden den Spielern auch Kokain und Prostituierte zur Verfügung gestellt."

Als Schauplatz der verbotenen Umtriebe konnten die Ermittler eine Wohnung im Innsbrucker Stadtteil Pradl lokalisieren: „Diese Wohnung ist eigens für die wöchentlichen Poker-Veranstaltungen angemietet worden", schildert Tersch. Spieler, die das Vertrauen der Organisatoren genossen, wurden per WhatsApp zu den Pokerabenden eingeladen. „Wir konnten bislang etwa 50 Spieler unterschiedlicher Herkunft ausforschen. Die meisten haben einen guten finanziellen Hintergrund", so die LKA-Chefin weiter. Die Pokerspiele begannen am Abend und gingen bis tief in die Nacht, manchmal sogar bis weit in den nächsten Tag. Die Einsätze waren beträchtlich, „manchmal sogar fünfstellig". Eine Kellnerin (42) sorgte für das Wohl der Gäste, ein 44-jähriger Einheimischer war als „Kartendealer" im Einsatz. Im vergangenen Herbst mieteten die Beschuldigten für etwa drei Monate eine weitere Wohnung für Pokerabende an.

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Ehefrau bei Kokain-Handel "behilflich"

Kokain war offenbar das zweite Standbein der Organisation: Mit dem Suchtgift wurden nicht nur die Spieler versorgt. Ein 42-jähriger Einheimischer soll auch außerhalb der Pokerszene Kokain verkauft haben. „Seine 40-jährige Ehefrau war ihm dabei offenbar behilflich", erzählt Tersch. Insgesamt sollen zwei Kilo Suchtgift im Schwarzmarktwert von etwa 200.000 Euro in Umlauf gebracht worden sein. Dabei spielte ein Lieferservice (angeblich mit Taxis) eine Rolle. Die Ermittlungen zu den Abnehmern sind derzeit noch nicht abgeschlossen. Unklar ist auch, von wem die zwei Kilo Kokain bezogen wurden. Für die Kriminalisten vorerst Nebenschauplätze — von der Struktur der Organisation und der Aufgabenverteilung haben die Beamten schon seit der intensiven Überwachung von drei Hauptverdächtigen ein klares Bild.

Am Dienstag war's dann so weit. Von der Staatsanwaltschaft mit Haft- und Durchsuchungsbefehlen ausgestattet, rückten am frühen Morgen 91 Beamte der Cobra, des Landeskriminalamtes, der Finanzpolizei und des Finanzamtes aus. Innerhalb von nur zehn Minuten nahmen die Beamten an sieben verschiedenen Orten in Innsbruck, im Bezirk Innsbruck-Land und in Jenbach ebenso viele Verdächtige fest und durchsuchten neun Objekte. „Die Ausführung der Aktion war beeindruckend", streut Hansjörg Mayr, Sprecher der Innsbrucker Staatsanwaltschaft, den Einsatzkräften Rosen.

Auch Wohnungen und Grundstücke

Bei den verhafteten Beschuldigten handelt es sich um zwei Frauen und fünf Männer im Alter von 24 bis 44 Jahren. Sechs Verdächtige sind Österreicher, einer hat die türkische Staatsbürgerschaft. Die sieben Personen befanden sich zunächst in Polizeigewahrsam. Ob und gegen wen Untersuchungshaft verhängt wird, war zunächst noch offen. Vier Männer und eine Frau gelten als Hauptverdächtige, die Kellnerin und der Kartendealer als Mitläufer.

Dass die illegalen Geschäfte gut liefen, zeigen nicht nur die beschlagnahmten 230.000 Euro, Luxusautos und Münzen. Wie die Ermittlungen ergaben, befinden sich auch Wohnungen und Grundstücke im Besitz der Beschuldigten. Die Immobilien seien gesichert worden, sagte Staatsanwalt Mayr. Sollte sich herausstellen, dass die Wohnungen mit illegalen Einkünften finanziert wurden, gehen sie in den Besitz des Staates über.


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