Neuer Kindergarten in Schwendau ist eine schwere Geburt

Seit Jahren wird über die Standortfrage diskutiert. Die Mehrheit des Gemeinderates will Freiland um 290 €/m² bei den „Drei Linden“ kaufen.

Angespannte Stimmung im Schwendauer Gemeinderat bei der Diskussion um den Kindergarten.
© Dähling

Von Angela Dähling

Schwendau – Vier Jahre und 26 Gemeinderatssitzungen lang ist der Kindergarten-Standort jetzt schon Thema im Schwendauer Dorfparlament. Inzwischen ist einiges passiert. Denn von der siebenköpfigen Bürgermeisterliste von Franz Hauser sind die Gemeindevorstände Hannes Geisler und Gerold Wechselberger beim Kindergartenprojekt zur sechsköpfigen Opposition von Vizebürgermeister Hannes Emberger übergelaufen, sodass sich die Mehrheitsverhältnisse geändert haben.

Das spiegelte sich auch bei der jüngsten Gemeinderatssitzung am Mittwochabend während einer zweistündigen Diskussion um die Kindergartenpläne wider. Dem vorausgegangen war ein im Februar mit 8:4 Stimmen gefällter Grundsatzbeschluss, wonach der Standort für einen neuen Kindergarten das historische Areal rund um die „Drei Linden“ sein sollte. Ein Wunsch der Opposition, die sich auch jetzt wieder für das Freiland-Areal starkmachte – gemeinsam mit GV Hannes Geisler und GV Gerold Wechselberge­r.

Sie möchten das Naturdenkmal (die Linden werden nicht gefällt) mit einem neuen, großen Kindergarten mit Mittagstisch, Bewegungsräumen und Spielplatz für alle Schwendauer Kindergartenkinder aufwerten. Derzeit sind die 57 Kinder aufgeteilt auf die Kindergärten in Burgstall (22), Schwendau (20), Hippach (14) und Ramsau (1). Laut BM Hauser komme es 2021/22 kurzfristig durch 68 Kinder zu einem Engpass.

Dass es mehr Platz für die Kinder brauche, darüber ist man sich einig. Aber wo, wie viel und vor allem zu welchem Preis ist strittig. Das rund 2400 m² große, als Park ausgewiesene Areal bei den „Drei Linden“ gehört einem guten Dutzend bäuerlicher Grundbesitzer gemeinsam. Diese würden es für den stolzen Preis von 290 €/m² an die Gemeinde verkaufen. Hinzu kämen weitere 700 m² von einem einzelnen Bauern, der dafür eine gleich große Tauschfläche in Form von Bauland in Neu-Burgstall von der Kommune haben möchte. Das Bauland kostet 200 €/m². Der Mann möchte zudem die restlichen 90 €/m² auf den Freilandpreis ausbezahlt bekommen. Für GR Josef Fankhauser (Bürgermeisterliste) ist diese Preispolitik nicht vertretbar.

Dass die Gemeinde Freilandgrund um einen höheren Preis kauft, als sie im Rahmen der Vertragsraumordnung Bauland verkauft, dürfe nicht sein. Laut BM Hauser liege der übliche Freilandpreis zwischen 60 und 75 €/m². Er warf auch ein, dass das Denkmalamt sich kritisch zu den Plänen geäußert habe. Sein Gegenvorschlag: der Ausbau des so genannten Reiterhauses in der Augasse, in dem sich die Kinderkrippe befindet. Für die 860 m² davorliegende Fläche (Sonderwidmung „Schwimmbad“) hat die Gemeinde bereits ein Kaufangebot – um 300 €/m². Laut Hausers Berechnungen wäre die Realisierung eines viergruppigen Kindergartens in der Augasse 700.000 € günstiger als bei den „Drei Linden“. Sonst sei es auch kein Thema gewesen, hektarweise Grund zu kaufen, warf die Opposition Hauser vor. Auch der begrenzte Platz beim Reiterhaus wurde kritisiert. Mit 8:4 Stimmen (und einer Enthaltung) beschloss der Gemeinderat einen Vortrag für den Grundstückskauf bei den „Drei Linden“ zu erstellen – mit aufschiebender Wirkung wegen rechtlicher Prüfungen.


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