„Post-Corona-Ökonomie“: Ethik im Handel gefordert

Mehr Regionalisierung fordern Gemeinwohl-­Ökonomen.
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Wien – Auch die internationale Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung (GWÖ) veröffentlicht Empfehlungen für eine Wirtschaftspolitik nach der Corona-Krise. Die weltweit agierende Organisation um den österreichischen Publizisten Christian Felber verfasste ein Positionspapier zu den „Grundkonturen einer Post-Corona-Ökonomie“.

Die größte vergebene Chance wäre es, zu einem Normalzustand vor der Krise zurückzukehren – denn Klima­wandel, Verlust von Artenvielfalt, Hunger und Ungleichheit seien in Summe größere Gefahren für die Gesundheit und das Leben der Menschen als ein einzelnes Virus. „Mit gleicher Konsequenz müssen jetzt auch die anderen relevanten Kurven abgeflacht werden: Flächenverbrauch, Energie- und Ressourcenverbrauch, Emission von Treibhausgasen, Gefährdung und Ausrottung von Arten sowie der Anstieg der Ungleichheit und der Instabilität auf den internationalen Finanzmärkten und im Welthandel“, so die GWÖ-Experten. Zudem müssten Resilienz und Regionalität an die Stelle profitgetriebener Globalisierung treten. Nähe und überschaubare Strukturen nach menschlichem Maß sollten die Wirtschaftsbeziehungen und -strukturen bis an den Beginn der Lieferketten prägen. Zudem fordern die Gemeinwohl-Ökonomen „ethischen Welthandel“; dieser sollte Freihandel als Maxime der Welthandelsordnung ablösen. Anstelle der Optimierung von Finanzkennzahlen – und immer höherer Effizienz, Produktivität und Innovation zu diesem Zweck – sollte generelle Gemeinwohl-Orientierung handlungsleitend werden. Das Konzept wird als ethisch fundiertes, nachhaltiges Wirtschaftskonzept gesehen, das auch als ein verantwortliches Unternehmensmodell von immer mehr Privatunternehmen, Bildungseinrichtungen und öffentlichen Gebietskörperschaften in immer mehr Staaten umgesetzt werde, heißt es. Durch die Corona-Krise könne ein Wertewandel eingeleitet werden. Umgesetzt werden sollten bedingungsloses Grundeinkommen und Mindestlohn, Kerosin- und CO2-Steuern oder etwa auch eine Finanztransaktions­steuer. (ver)


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