RLB Kunstbrücke: Metamorphosen, Pioniere und Nicht-Orte

Zum letzten Mal auf der „alten“ Kunstbrücke: Die Schau zum RLB-Kunstpreis versammelt 15 Tiroler Kunstschaffende. Oliver Laric erhält den Hauptpreis.

Mysteriös und kaum selbst einsehbar: Gregor Sailers Serie „The Polar Silk Road“ wurde in der Arktis aufgenommen.
© Gregor Sailer

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck –Kunst in der Baustelle, das hat bei der Tiroler RLB wenig mit Abrissparty oder überraschender Zwischennutzung zu tun. Im klassischen Gewand kommt die neue Ausstellung zum RLB-Kunstpreis 2020 daher, die ab heute auf der „alten“ Kunstbrücke in der Adamgasse zugänglich ist. Bevor die Abrissbirne anrückt, werden dort anlässlich des neunten RLB-Kunstpreises Arbeiten von 15 Tiroler Kunstschaffenden versammelt.

Künstler Oliver Laric wurde mit dem Hauptpreis (10.000 Euro) bedacht; die beiden Förderpreise (jeweils 4000 Euro) gehen an Alexandra Kontriner und Gregor Sailer. Eigentlich sollte die Ausstellung im März eröffnet werden – Corona-bedingt wird sie jetzt in verkürzter Ausgabe (bis 3. Juli) nachgeholt. Eine Absage der Ausstellung wäre für Kuratorin Silvia Höller keine Option gewesen, stolz verkünden darf sie auch, dass 2020 jeweils 1000 Euro als Fördermittel auch an die zwölf Ausstellenden gingen, als kleine Unterstützung für die von Corona gebeutelte Kunstszene. Ausgewählt wurden die Ausstellenden von der diesjährigen Jury – neben Hölle­r vai-Leiterin Verena Konrad, Kurator Günther Oberhollenzer, Tanja Skorepa aus dem Wiener Strabag-Forum und Florian Waldvogel, dem Kustos der Modernen Sammlung der Tiroler Landesmuseen – aus 66 Einreichungen .

Barbapapa fließt über in ein Disney-Geißlein

Laric, der 2012 schon einmal einen Förderpreis erhielt, ist jetzt auf der Kunstbrücke als Einziger mit einer Medienarbeit vertreten. In seinem 4K-Video „Betweenness“ (2018) steht die Metamorphose im Zentrum: Ein Barbapapa fließt über in ein Disney-Geißlein, eine handelsübliche Zwinge gerät mit Beinen zur Echse. Autorenschaft, Kopie, Original werden von Laric ironisch hinterfragt. Eine interessante Abwechslun­g, verarbeitete er dieses Thema doch bisher (so wie aktuell auch in seiner Ausstellung in der Galerie Widaue­r zu sehen) vornehmlich skulptura­l.

Förderpreisträgerin Alexandra Kontriner hingegen bleibt ihren feinen Pflanzenporträts treu, die nicht nur von der Schönheit, sondern auch von der schwindenden Vielfalt in der Natur erzählen, die dem menschlichen Einfluss geschuldet ist. Ihr Porträt aus der Serie „Pioniere“, Pflanzen mit besonderer Wiederstandsfähigkeit, erinnern unweigerlich an Lois Weinbergers künstlerische Aneignung der Natur.

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Den Einfluss der Menschen, vielmehr der Gesellschaft, auf politischer, wirtschaftlicher oder wissenschaftlicher Ebene untersucht der zweite Förderpreisträger Gregor Sailer in seinen Fotoserien. Sie führen ihn an jene Nicht-Orte, zu denen eigentlich nur Ausgewählt­e Zutritt bekommen. Sein Projekt „The Polar Silk Road“ brachte den Innsbrucker in die Arktis, wo er fotografisch eine Forschungsstation untersuchte, in der Eiskernbohrungen durchgeführt werden; mit stillen Fotografien kehrte er von dort zurück, eine mysteriöse Atmosphäre schwingt in allen Aufnahmen mit. Bei den weiteren zwölf Ausstellungsteilnehmenden dominieren klassische Medien: Quasi diagonal gegenüber steht die Malerei der Osttirolerin Ilona Rainer-Pranter jener monumentalen von Markus Bacher – wahre Farb­explosionen.

Das Zeichnen ist Mantra und die Schrift Bild.

Eine interessante Konfrontation ergibt sich auch bei den Zeichnern Patrick Roman Scherer und Benjamin Zanon. Ihre Detailtreue manifestiert sich in zwei gänzlich unterschiedlichen Handschriften, bei Zanon ist das Zeichnen Mantra und die Schrift Bild. Ein gewisses Alleinstellungsmerkmal hat Marie Blum – vormals Esther Strauss –, die mit ihrem radikalen, performativen Denkmal in der Schau vertreten ist. Weiter­s sind Arbeiten von Veronika Beringer, Maria Köfler, Vanja Krajnc und Martin Schlögl zu sehen.

Laric als Hauptpreisträger bestreitet 2021 eine Einzelschau in den Tiroler Landesmuseen. Bis dahin wird die Kunstbrücke in ihrer jetzigen Form Geschichte sein. 2023 soll auf dem neuen „Raiqa“-Areal ein neuer Kunstraum eröffnet werden. Der RLB-Kunstpreis 2022 soll vergeben werden, versichert Kuratorin Silvia Höller, auch wenn die Kunstbrücke bis dahin noch keine neue Heimat hat. Vielleicht dann in Form einer überraschenden Zwischennutzung.


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