Geplanter Wohnbau spaltet Uderner Gemeinderat

Mit knapper Mehrheit wurde in Uderns ein Wohnbauprojekt beschlossen. Doch die Opposition gibt nicht auf und macht per Postwurf dagegen mobil.

Das Traditionsgasthaus Erzherzog Johann in Uderns soll einem Wohnbau samt Tiefgarage und Vorplatz weichen.
© Fankhauser

Von Eva-Maria Fankhauser

Uderns – Der Uderner Gemeinderat ist gespalten. Mit 7:6 Stimmen wurde in der jüngsten Sitzung ein Bauprojekt beschlossen, das nun die Opposition auf die Barrikaden steigen lässt, denn nicht nur die sechs Mandatare sind vom geplanten Projekt nicht überzeugt, auch einige Bürger üben immer lauter Kritik.

Mitten im Dorf steht das Traditionsgasthaus Erzherzog Johann. Doch seitens des Besitzers wurde erklärt, dass im Laufe des Jahres das Hotel geschlossen werde. Die notwendige Sanierung und Umbauarbeiten seien aus finanzieller Sicht nicht zu stemmen. Daher entstand die Idee, mit der Firma Giehl & Krassnitzer ein Wohnbauprojekt am Grundstück zu realisieren. Unternehmer und Gemeinderat Marco Giehl sieht eine „Riesen-Entwicklungschance“ für die Gemeinde. Laut ihm soll anstatt des Gasthauses ein Wohnbau in Kombination mit Geschäftsflächen entstehen. Rund 54 Wohnungen, eine Arztpraxis, ein kleines Restaurant und das neue Gemeindeamt inklusive Vorplatz sollen dort Platz finden. „Außerdem verbessern wir die Verkehrssituation. Die Straße wird verbreitert und es ist ein Gehsteig eingeplant“, sagt Giehl.

© Visualisierung: Fankhauser/Giehl & Krassnitzer

So mancher Uderner findet es schade, dass das Gasthaus abgerissen werden soll. Andere kritisieren, dass für das Wohnbauprojekt die Geschoßhöhe nach oben geschraubt wurd­e. „Aber das kennen wir ja schon von anderen Projekten. Auf die Umgebung und Nachbarn schaut da keiner“, ärgert sich ein Uderner. Ein anderer meint: „Als hätten wir nicht schon genug Wohnbauprojekte in Ausarbeitung.“

Während die Bürgermeisterliste von BM Josef Bucher mit GR Giehl geschlossen für das Projekt ist, hat die Opposition viele Kritikpunkte. Die hat sie per Postwurf am Montag in der Gemeinde kundgetan. In erster Linie lehnt sie die Erhöhung der Baumassendichte und der Anzahl der Geschoße ab. Man müsse aufs Ortsbild und betroffene Anrainer Rücksicht nehmen. „Wir wollen auch die Entwicklung des Ortes hinterfragen“, sagt GR Andrea­s Rainer. Immerhin gebe es „zahlreiche andere“ Wohnbauvorhaben, die schon bewilligt wurden und ausgeführt werden. Während GR Giehl von einem vorhandenen Bedarf von Udernern für Wohnraum spricht, sieht das die Opposition anders. Laut ihren Recherchen wurden in einem vergangenen Projekt nur sieben von 47 Wohnungen an Uderner als Hauptwohnsitz vergeben. „Ist es wirklich nötig, dass in kurzer Zeit so viel gebaut wird?“, fragt GR Rainer. Davon, dass das Gemeindeamt übersiedeln soll, hält die Opposition ebenso wenig, da ausreichend Platz im derzeitigen Gebäude zur Verfügung stehe.

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Zudem wird die „Uneigennützigkeit“ von GR Giehl von Opposition und einigen Gemeindebürgern in Frage gestellt. Zwar hat er sich bei der Abstimmung des Projektes durch einen Ersatz-GR vertreten lassen, aber er hätte sich auch der Stimme enthalten können. Dann wäre es bei der Abstimmung allerdings zu einer Patt-Situation gekommen. Giehl sieht keine Befangenheit. Er habe das Projekt in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde erarbeitet und sehe im Projekt einen Mehrwert für den Ort.

BM Bucher war für eine Stellungnahme gestern nicht erreichbar. Er verspricht aber Infos per Postwurf.

Für GR Rainer ist klar: Man wolle nicht so einfach aufgeben. Auch eine Online-Petition wird in Betracht gezogen.


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