Corona-Krise bringt Touristiker in Kufstein unter Druck

95 Prozent Einbruch bei den Nächtigungen in der Region TVB Kufsteinerland, jetzt will man kräftig durchstarten.

Florian Phleps (l.), Geschäftsführer der Tirol Werbung, kam kürzlich für eine Diskussionsrunde zu Sabine Gwirl vom Hotel Andreas Hofer und Kufsteinerland-Geschäftsführer Stefan Pühringer nach Kufstein.
© Sappl

Von Michael Mader

Kufstein – Es hatte alles so gut angefangen: Der Winter bescherte dem Tourismusverband Kufsteinerland ein zweistelliges Plus, dann kam der Shutdown. „Wir hatten einen Einbruch von 95 Prozent“, zieht Kufsteinerland-Geschäftsführer Stefan Pühringer Bilanz.

„Entgegen anderen Regionen in Tirol sperren bei uns aber jetzt alle Häuser wieder auf“, freut sich Pühringer. Die Menschen aus dem urbanen Raum würden wieder in die Natur wollen und diese Naturerlebnisse sowie gesunde und regionale Produkte könne man ihnen bieten. „Das Kufsteinerland hat auch eine sehr hohe Dichte an Badeseen“, macht der TVB-Geschäftsführer Werbung. Große Hoffnung setzt man natürlich auf die Grenzöffnung zu Deutschland.

Besonders hart getroffen hat es die Stadthotellerie, wie Thomas Sappl vom Hotel Andreas Hofer berichtet: „Wir haben eine ganz klare Zuordnung. Mit jeder Veranstaltung, die abgesagt worden ist, wie etwa dem Ritterfest, der Haflinger-Weltausstellung oder Konzerten, haben wir weitere Stornos hereinbekommen.“ Das spüre dann auch die Innenstadtgastronomie und der Handel. „Kulturschaffende sind der Wirtschaftsmotor. Die müssten von Stadt und Land viel stärker unterstützt werden.“

Ähnlich erging es Katrin Steindl vom Gourmethotel Unterwirt in Ebbs: „Nachdem die erste Stornoschockwelle überwunden war, hat es bei uns einen enormen Innovationsschub ausgelöst.“ Zimmerservice gebe es jetzt nur noch auf Bestellung und damit der „elegante Service“ in dem Haubenlokal erhalten bleibe, wurde ein langes Servierbrett sowie für das Besteck zum Nachlegen eine Lade am Tisch entwickelt, aus der sich die Gäste selbst bedienen.

Besser gelaufen ist es in den Hochtälern Thiersee und Bad Häring: Lisa Mauracher vom Ayurveda Resort Sonnhof in Thiersee hat vor Kurzem aufsperren können und ist schon wieder ausgebucht: „Die Gäste sind bewusster geworden und wollen Nachhaltigkeit.“

Am Laufen gehalten wurde der Betrieb des Hotels Panorama Royal in Bad Häring, wie Juniorchef Johannes Mayer berichtet, der die Kurzarbeit in der Hotellerie allerdings als nicht geeignet bezeichnet. Auch das Panorama Royal sei wieder gut gebucht. „Wir wollen den Gesundheitsgast zu uns kommen lassen und das passende Programm zusammenstellen“, meint Mayer.

Die Tiroler Festspiele Erl erwarten in diesem Jahr ein Minus von 1,4 Millionen Euro, berichtet Geschäftsführerin Natascha Müllauer: „Wir müssen in die Zukunft planen, von der keiner weiß, wie sie in vier, fünf Monaten sein wird.“ Aktuell plane man die Belegung jedes zweiten Sitzplatzes. Etwa beim Erntedankkonzert am 4. Oktober oder bei den Winterfestspielen ab dem 26. Dezember. Auf Dauer würde das aber nicht gehen.

„Es wird ein Neustart sein und es ist eine Chance, auch wenn es wirtschaftlich eine Katastrophe ist. Aber es ist noch niemand zu mir gekommen und hat gesagt, dass er seinen Betrieb zusperren möchte“, sagt Kufsteinerland-Obmann Georg Hörhager.


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