Bauer aus Walchsee: „Ich halte meine Schafe nicht als Wolfsfutter“

Auch im Bezirk Kufstein dürfte ein Wolf Schafe gerissen haben. Die Jägerschaft spricht von zwei Beutegreifern, die im Grenzgebiet unterwegs sind.

Martin Rainer inmitten der Schafe, die aus Angst vor dem Wolf ins Tal getrieben wurden.
© Rainer

Von Wolfgang Otter und Alexander Paschinger

Walchsee – Für Martin Rainer gab es keine Alternative. Seit vorgestern stehen seine 31 Schafe wieder im heimatlichen Stall. „Ich halte meine Tiere nicht als Wolfsfutter“, sagt der Bauer aus Walchsee zur Tiroler Tageszeitung. Er hatte nämlich drei seiner Schafe am Freitag auf dem Hochlieger der Riederalm tot gefunden. Von einem Tier getötet und angefressen. Der Verdacht: Es könnte ein Wolf gewesen sein. Die Jägerschaft weiß sogar von zwei Beutegreifern, die unterwegs sein sollen. Einer habe dunkles und ein anderer helles Fell, so wird erzählt.

Martin Rainer fand drei seiner Schafe tot.
© Rainer

Der zuständige Amtstierarzt hat die totten Schafe in Walchsee begutachtet. „Nach der ersten Einschätzung besteht der konkrete Verdacht auf Wolfsrisse. Zur weiteren Abklärung wurden Tupferproben für eine DNA-Analyse genommen. Diese werden an das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie nach Wien geschickt“, wie das Land Tirol mitteilt.

Schon länger ist zumindest ein Exemplar des Raubtiers im Grenzbereich zu Bayern unterwegs. Bereits Anfang der Woche hatte der Bauer Markus Schwaighofer auf der Unterwiesenalm in Erl von einer Wolfsichtung berichtet. Das Tier hatte angeblich keine Scheu vor dem Menschen gezeigt. Kurz danach gab es eine neuerliche Sichtung in Bayern, wie das Oberbayerische Volksblatt berichtet. Wie das Landesamt für Umweltschutz in Rosenheim mitteilte, liege ein erneuter Bildhinweis vor, aufgenommen vermutlich in der Nähe der Priener Hütte. Die ist gerade knapp zwei Stunden Gehweg von der Riederalm entfernt. Also für einen Wolf nur ein kurzer Spaziergang. Martin Rainer berichtet zudem, dass man bereits länger vermutet hatte, dass ein Beutegreifer im Gebiet unterwegs ist. „Die Tiere waren extrem unruhig.“ Und er habe den Wolf sogar „heulen gehört“, wie er sagt. Da sei das Tier sehr nahe gewesen.

Für die Bauern im Almgebiet ist die Situation schwierig. Landwirte, die junge Rinder auf der Alm haben, sperren diese jede Nacht weg, wie der Walchseer erzählt. „Das Risiko, dass der Wolf die Tiere über eine Böschung treibt, ist groß. Da sind auf einen Schlag viele tot.“

Kein Wunder, dass bei Landwirtschaftskammerpräsident NR Josef Hechenberger das Telefon in Sachen Wolf zunehmend öfter klingelt. „Immer mehr Landwirte sagen, dass sie aufhören, wenn es so weitergeht“, berichtet Hechenberger und verweist auf die schwierige Situation im Oberland, wo viele Tiere von Wölfen gerissen wurden. Gerade die Schafhaltung sei aber in den extrem steilen Almgebieten wichtig. „Unsere Position ist da eindeutig: Der Wolf gehört von der Liste der streng geschützten Liste entfernt. Er ist nicht mehr so selten.“ Hechenberger setzt sich auf europäischer und nationaler Ebene dafür ein.

Diese strenge EU-Richtlinie (siehe Artikelende) verhindert auch den Abschuss. Und ganz unrecht ist es den Jägern gar nicht, wie Kufsteins Bezirksjägermeister Michael Lamprecht durchklingen lässt. „Ich bin auch der Meinung, dass der Wolf nicht herpasst. Wenn er aber gejagt werden darf, sind wir zuständig und müssen ihn schießen. Nur das ist äußerst schwierig, Diese Tiere sind sehr scheu.“ Und im Fall von Walchsee habe er sogar von zwei Beutegreifern erfahren. Sollte es ein Pärchen sein, könnte der Bezirk eines Tages sogar ein ganzes Rudel beheimaten.

Auch in Sölden gab es Freitagfrüh Wolfalarm. Auslöser war ein halb gefressenes einjähriges Reh auf einer Straße im Ortsgebiet von Sölden. Jäger Fritz Riml wurde alarmiert und der entsorgte den Kadaver. Er gibt Entwarnung: „Aus meiner Sicht wurde das schwache Tier eindeutig von einem Fuchs gerissen“, so der Waidmann. Die weiteren Fraßspuren deutet er außerdem in Richtung von Fuchswelpen. In Sölden selbst kursiert seit einiger Zeit das Gerücht, dass ein Goldschakal (die gelegentlich schon in Ostösterreich gesichtet wurden) unterwegs sein könnte. „Dafür habe ich allerdings keine Bestätigung“, betont der Sölder Hegemeister Johannes Santer. Generell meint der Imster Bezirksjägermeister Klaus Ruetz, dass man in Imst bislang keine Probleme mit Beutegreifern wie im Nachbarbezirk Landeck habe: „Bei uns sind wenn, dann eher wildernde Hunde auffällig.“

Europarechts-Experte Obwexer: Nur EU kann Wolfsschutz ändern

Der Ruf nach dem Abschuss von Wölfen wird immer lauter. Aber vorerst müssen die Jagdgewehre im Schrank stehen bleiben. Wie Europarechts-Experte Walter Obwexer erklärt, sind Wölfe durch eine europäische Richtlinie strengstens geschützt. Vor einem Abschuss müssten alle anderen Möglichkeiten, „wie zum Beispiel Vergrämen“ oder der Herdenschutz, ergriffen werden. Eine Entnahme komme auch nur in Frage, wenn es ein entsprechendes Gutachten gebe und der Bestand der Tiere dadurch nicht gefährdet wird. Obwexer ist daher auch skeptisch, was die Verordnung der Bezirkshauptmannschaft St. Johann im Pongau anbelangt, die den Abschuss eines Wolfes genehmigt hat. Es müsse ein sehr gutes Gutachten dafür geben, damit es der Berufung des Wide Fund For Nature (WWF) standhalte. Wie streng die EU-Richtlinie ist, zeigt auch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes, laut dem Wölfe selbst dann geschützt sind, wenn sie in Dörfer kommen. Das könne daher auch nur von den EU-Gremien verändert werden, so Obwexer. (wo)


Kommentieren


Schlagworte