Ringer kommen nach Bundesliga-Absage mit einem „blauen Auge“ davon

Die Ringer-Bundesliga 2020 ist abgesagt und wird durch ein Turnier im Dezember ersetzt. Inzinger Benedikt Ernst wird Sportdirektor.

Trotz Lockerungen bei Hallen-Sportarten wird es 2020 keine Ringer-­Bundesliga (im Bild rechts der Inzinger Dario Habel) geben.
© Michael Kristen

Von Benjamin Kiechl

Wagrain, Inzing – Niemandem war zum Feiern zumut­e, als Tirols Ringer-Obmann Franz Pitschmann am Wochenende mit seinen Funktionärskollegen der anderen Bundesländer bei der Konferenz des Österreichischen Ringsportverbandes in Wagrai­n (Sbg.) zusammensaß. Einhellig wurde beschlossen, dass die 1. und 2. Ringer-Bundesliga 2020 aufgrund der Corona­virus-Pandemie abgesagt werden müssen. „Alle Athleten und Betreuer zu testen ist finanziell nicht möglich und kein Verein will das Risiko eingehen“, erklärt Pitschmann, der auch Obmann des AC Hötting ist.

Als Ersatz für den Liga-Ausfall wird vom 4. bis 5. Dezember der Blaguss Gold-Cup für 1.-Bundesliga-Mannschaften in Wals-Siezenheim ausgetragen. Weil keine Legionäre zugelassen sind und der Walser Top-Ringer Amer Hrustanovic seine Karriere beendet hat, dürfen sich die Ringer des RSC Inzing gute Medaillenchancen ausrechnen.

Auch für die 2. Bundesliga mit den Tiroler Klubs AC Vollkraft und AC Hötting soll es eine Mannschaftsmeisterschaft vom 21. bis 22. November geben. Weiters sei im Herbst ein Nachwuchs-Cup geplant. Ein Turnier kann die Lücke, die nach der Bundesliga-Absage klafft, freilich nicht füllen. „Es ist leider nicht das Wahre“, sagt Pitschmann, der hofft, dass im Herbst zumindest ein Innsbruck-Cup mit Derbys zwischen Hötting und Arzl ausgetragen werden kann. Seit rund drei Wochen wird bei den Innsbruckern wieder trainiert. Weil keine Kämpfe Mann gegen Mann erlaubt sind, ist es laut Pitschmann eher ein „Bei-Laune-Halten“ der Athleten mit Laufrunden im Wald.

Beim RSC Inzing hat man sich mit der neuen Situation zähneknirschend abgefunden. Der Herbst wird ohne Heimkämpfe in der ansonsten immer ausverkauften Mehrzweckhalle ablaufen. „Wir machen das Beste draus“, erzählt Inzing-Obmann Klaus Draxl und geht davon aus, dass man finanziell mit einem „blauen Auge“ davonkommt. Land und Gemeinde hätten Geldspritzen zugesagt. Die Vereins-Aushängeschilder Martina Kuenz, Daniel Gastl und Michael Wagner sind dank ihrer Tätigkeit als Polizeisportler abgesichert.

Das Europa-Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele wurde aufgrund der Corona-Krise kurzfristig abgesagt, im März 2021 gibt es eine neue Chance. Nur ein Finalplatz öffnet die Tür zu den Spielen in Tokio.

Der Inzinger Benedikt Ernst steigt zum Ringer-Sportdirektor auf.
© ÖRV

Damit die Athleten Top-Voraussetzungen haben, wurde bei der Bundesländerkonferenz auch auf dem Personalsektor umgebaut. Der Inzinger Benedikt Ernst, bisher Frauen-Nationaltrainer, steigt zum Sportdirektor im griechisch-römischen Bereich auf und soll mit dem bisherigen Sportdirektor Jörg Helmdach die Weichen für eine erfolgreiche Olympia-Qualifikation stellen.

Österreichs Ringer-Präsident Thomas Reichenauer zeigt sich zuversichtlich, „dass wir gemeinsam aus der Krise kommen“. Schwer im Magen liegt dem Verband noch die Absage der für Juli geplant gewesenen U23-EM in Wals. Man hoffe, so Reichenauer, dass die bereits angefallenen Kosten von 200.000 Euro bereinigt werden können.


Kommentieren


Schlagworte