NEOS wollen Kontingent statt Motorradfahrverbot im Außerfern

NEOS und IG Moto kritisieren das Motorradfahrverbot im Außerfern scharf. Der wirtschaftliche Schaden werde noch multipliziert.

Dass nur noch Maschinen bis 95 dB Standgeräusch an ausgewählten Strecken im Außerfern fahren dürfen, ist auch politisch umstritten.
© Tschol

Von Simone Tschol

Außerfern – „Während wir noch immer auf die Bestands­erhebung warten, hat Verkehrslandesrätin Ingrid Felipe mit dem Motorradfahrverbot im Außerfern einen unüberlegten Schnellschuss geliefert. Dem können wir nichts abgewinnen“, erklärte NEOS-Landtagsabgeordneter Andreas Leitgeb bei einem Pressegespräch in Reutte. Ihm stößt besonders sauer auf, dass das Fahrverbot für Motorräder mit mehr als 95 dB Standgeräusch über die Köpfe aller hinweg angeordnet wurde. Leitgeb: „Man muss die Bevölkerung, die Gastronomie, aber auch die Motorradfahrer mit einbinden.“

Für Leitgeb ist eine Kontingentierung die sinnvollste Lösung. „Die Biker könnten sich kostenlos online ein Ticket für bestimmte Strecken lösen und diese dann befahren. So kann der Verkehr gesteuert und die lärmgeplagte Bevölkerung entlastet werden. Gleichzeitig kommt der für die Region wichtige Motorrad-Tourismus aber nicht komplett zum Erliegen.“

Georg Sedlmayr, Vorstandsmitglied der Interessenvertretung für Motorradfahrer (IG Moto), gibt sich gesprächsbereit: „Es gibt ein Problem, und ja, wir sind Teil des Problems. Aber nicht ausschließlich. Das aktuelle Fahrverbot ist nicht durchdacht. Damit werden nicht nur Motorradfahrer gegenüber Autofahrern abgewertet, sondern auch gegeneinander willkürlich in zwei Klassen eingeteilt. Und plötzlich sind Maschinen illegal, die laut Zulassung vollkommen in Ordnung sind.“

Eine Reduktion des Verkehrs mittels einer Dosieranlage sei laut Sedlmayr ein probates Mittel. Ein Verbot auf Grundlage des Standgeräusches zu verhängen, mache aber keinen Sinn. „Das Standgeräusch einer Maschine war bislang nie einer Reglementierung unterworfen. Kein Hersteller hatte die Aufgabe, dieses niedrig zu halten. Ein Beispiel: Es gibt zwei baugleiche Maschinen von BMW, völlig ident. Die eine wurde vor dem 31. Oktober 1996 zugelassen, die andere danach. Beide weisen unterschiedliche Standgeräusche auf, weil die ältere bei Dreiviertel-Drehzahl gemessen wurde, die jüngere bei halber Drehzahl. Das zeigt, dass die Angaben in der Zulassung nichts aussagen, das Verbot lediglich eine große Gruppe an Motorrädern entwertet“, sagt Sedlmayr und gibt zu bedenken: „Wenn einer nicht fahren darf, kommt die ganze Gruppe nicht. Das multipliziert den wirtschaftlichen Schaden. Allein unser Obmann Kai-Uwe Bürskens, selbst Hotelier, hat bereits 46 Absagen von Gruppen. Gerade nach Corona so etwas anzuzetteln, wo Hotellerie und Gastronomie auf Gäste hoffen, ist nicht schlau. Da hätte es bessere Monate gegeben.“

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Kommentieren


Schlagworte