Betreten ausdrücklich erwünscht: Altstadt in Innsbruck wird zur Großbaustelle

Die Großbaustelle in der Innsbrucker Altstadt nimmt Fahrt auf. Ein prall gefülltes Marketingpaket soll die Folgen für die Betriebe abmildern.

Gestern hat die Baustelleneinrichtung in der Innsbrucker Altstadt begonnen. Bis Sommer 2021 werden unter anderem Wasser-, Strom- und Gasleitungen erneuert. Ein umfangreiches Marketingpaket soll helfen, die Folgen für die Betriebe abzufedern.
© David Johansson

Innsbruck – Die Vorarbeiten liefen schon länger, gestern wurde es endgültig ernst: Die Einrichtung der Großbaustelle in der Innsbrucker Altstadt hat begonnen – sie wird den historischen Stadtkern nun ein Jahr lang begleiten.

Die Altstadt-Wasserleitungen sind 130 Jahre (!) alt und dringend sanierungsbedürftig, im selben Zuge werden auch Strom- und Gasleitungen sowie zum Teil die Kanalanschlüsse erneuert, dazu Glasfaserkabel verlegt. Die Corona-Krise – samt verringerter Touristenfrequenz – hat, wie berichtet, den Zeitplan massiv verändert: „Der Stadtsenat hat beschlossen, die Sanierung in einem Jahr, bis zum Beginn der Sommerferien 2021, durchzuziehen, statt sie, wie ursprünglich geplant, etappenweise auf fünf Jahre aufzuteilen“, erklärt BM Georg Willi.

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Die „extrem komplexe“, natürlich allseits mit Argusaugen beobachtete Baustelle umfasse drei Baufelder und vier Abschnitte, berichtet Thomas Pühringer, Vorstand der ausführenden Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB).

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Los geht es an mehreren Stellen zugleich, um die Gesamtbelastung zu reduzieren – in der Kiebachgasse, im nördlichen Teil der Herzog-Friedrich-Straße (Höhe Riesengasse bis Goldenes Dachl und weiter bis zur Ottoburg), in der Pfarrgasse, nördlich des Doms, in der Hofgasse und Teilen der Stiftgasse.

Trotz umfangreicher Bauarbeiten hat die Innsbrucker Altstadt als „ältestes Kaufhaus Tirols“ immer geöffnet. Diese Botschaft ist für IKB-Vorstand Thomas Pühringer, Altstadtkaufleute wie Therese Fiegl und Bürgermeister Georg Willi (v. l.) in den kommenden Monaten zentral.
© Innsbruck Marketing

Die zentrale Botschaft an die Tiroler laute: „Bitte kommt!“, so BM Willi. „Die Altstadt als ältestes Kaufhaus Tirols hat trotz Baustelle immer offen.“

Um die Auswirkungen der Baumaßnahmen – die zur Covid-19-Krise hinzukommen – abzufedern, hat das Innsbruck Marketing gemeinsam mit Tourismusverband, Wirtschaftskammer, Stadt und Altstadtkaufleuten das Marketingprogramm „Alt Stadt Neu“ geschnürt. Dieses reicht von verstärkter Bewerbung in der Bauphase über Baustellendekoration oder „Shopbrücken“, die den Zugang zu den Betrieben sichern, bis zu speziellen Aktivitäten und Events: Geplant sind z. B. Auftritte der Wiltener Sängerknaben oder von Tänzern des Tiroler Landestheaters, DJ-Sessions, Baustellen-Frühstück und -Catwalks sowie laufende Gewinnspiele. Dazu setzen Gastwirte und Geschäfte zahlreiche Einzelmaßnahmen: Livekonzerte dienstags, mittwochs und freitags sind etwa schon angelaufen.

Zuerst der Lockdown, dann die Baustelle: Damit habe natürlich keiner eine Freude, sagt Peter Paul Bloder, Obmann der Interessengemeinschaft Altstadt Innsbruck. Manchen Betrieben wäre die Etappenlösung lieber gewesen. Nun aber wolle man „das Beste aus der Situation machen“ – und sei stolz auf das Maßnahmenpaket. Bloders Appell gilt nun den Kunden: „In schwierigen Zeiten heißt es zusammenstehen. Gemeinsam mit Ihnen schaffen wir das.“ Es gebe „so viele Juwelen zu entdecken“, meint Geschäftsinhaberin Therese Fiegl.

Wichtig sei neben der Erreichbarkeit aller Geschäfte, Gastrobetriebe und Museen auch, dass der Christkindlmarkt (samt Christbaum!)plangemäß stattfinden werde, sagt Karl Gostner, Obmann von Innsbruck Tourismus. Er und Bloder sind sich einig: Einheimische – die gerade für die vielen eigentümergeführten Betriebe so wichtig seien – sollen noch gezielter eingeladen werden.

Man könne die Baustelle nicht „wegzaubern“, so Wirtschaftskammer-Bezirks­obmann Karl-Josef Ischia, aber Unternehmer seien es gewohnt, flexibel auf Herausforderungen zu reagieren. Die Kammer werde den Betrieben auch bei der Kommunikation mit den IKB helfen. Zudem baue man auf ein Unterstützungspaket der Stadt für die Unternehmer. Ischia sieht die Baustelle sogar als „Einladung, sich die Altstadt genauer anzuschauen“, samt Einblicken unter die Erde.

Die Arbeiten auf geschichtsträchtigem Boden erfolgen laut Pühringer in enger Abstimmung mit Denkmalamt, Archäologen und Bauhistorikern. Steinerne „Ritschen“ aus Höttinger Breccie, die als Vorläufer der Kanalisation dienten, habe man bereits entdeckt, auch Knochenfunde seien nicht auszuschließen, alles werde natürlich dokumentiert. Kriegsrelikte sind hin-gegen laut Voruntersuchung nicht zu erwarten. (md)


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