Hörl zu geplanter Energiewende: „Öl-Ausstieg geht nur mit Wasserstoff“

Wirtschaftsbundobmann Franz Hörl sieht die Zeit für die geplante Energiewende davonlaufen.

Die Zillertalbahn soll auf Wasserstoff umgerüstet werden.
© Zillertaler Verkehrsbetriebe

Innsbruck – Bis zum Jahr 2050 will Tirol laut dem von Schwarz-Grün beschlossenen Programm „Tirol 2050“ energieautonom sein, also aus dem Karbon-Zeitalter mit Erdöl, Erdgas und Kohle ausgestiegen sein – inklusive einer Energie-Einsparung von 37 Prozent bei gleichzeitigem Ausbau der eigenen Stromgewinnung (gedeckt aus zusätzlicher Wasserkraft und Photovoltaik) um 30 Prozent.

Für Hörl sind diese und ähnlich ehrgeizige Pläne auch bundesweit zwar sehr positiv, aber mit dem bisherigen Reform- und Ausbau-Tempo in den verbleibenden 360 Monaten so kaum zu schaffen. „Wenn wie derzeit die allfällige Bewilligung von Wasserkraftwerken 10 bis 13 Jahre dauert und für die Photovoltaik-Pläne 85 Prozent aller Tiroler Dachflächen plus 29 Millionen Quadratmeter Freiflächen mit Solaranlagen ausgestattet sein sollen, dann ist das utopisch.“ Das bedeute neben den Dachflächen Solarparks in der Größe von zwei bis drei Fußballfeldern pro Gemeinde.

Der geplante Umstieg auf Ökostrom verursache, zumal Sonne und Wind sehr unterschiedlich liefern, nicht nur Probleme bei der Netz-Stabilität, so Hörl. Eine ganz große Zukunftsfrage, die es zu lösen gelte, sei jene der Speicherung. Der Einsatz von Batterien sei auch wegen der Rohstoff-Frage begrenzt. Daher führe an mehr Pumpspeicherkraftwerken und einer großen Offensive bei Wasserstoff kein Weg vorbei.

„Wir haben die Chance, mit der Einführung von neuen Technologien Öl, Kohle und Gas zu verdrängen, indem wir die eigenen Ressourcen besser bewirtschaften“, sagt Hörl. Im Zillertal probiere man dies mit der Einführung der Wasserstofftechnologie für Zillertalbahn, Busse und auch die Pistenraupen. Das hänge derzeit aber neben der Zurückhaltung im Umweltministerium am noch fehlenden Okay von drei Tourismusverbänden zu einer Mitfinanzierung über eine höhere Kurtaxe. Das Wertschöpfungspotenzial, das durch die Verdrängung von „schmutzigen Energieträgern“ für die Tiroler Wirtschaft frei werden könnte, liegt laut Hörl bei 1,5 Mrd. Euro. „Wasserstoff ist eine Riesenchance für den ökologischen und regionalen Umbau des Energiesystems.“ (va)


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