Weißhaidinger warf aus 22 Metern Höhe - „Zittrige Beine“

Sportlich hat Lukas Weißhaidinger in dieser Saison trotz Coronakrise mit 68,63 m in Schwechat-Rannersdorf bereits eine absolute Spitzenleistung erbracht, ihm gelang der zweitweiteste Wurf der Karriere. Am Dienstag schlüpfte er kurzfristig in die Rolle eines „Stuntmans“, wurde mit einem Kran auf eine 22 Meter hohe Plattform gehoben und schleuderte den Diskus auf sein Wurffeld in der Südstadt.

„Ich habe nicht gedacht, dass ich einmal vor einem Wurf so zittrige Beine habe. Aber es hat richtig viel Spaß gemacht, eine coole Erfahrung“, sagte der WM-Dritte von Doha 2019. Das Spektakel auf dem roten Stuhl einer Möbelfirma war auf fünf Millionen Euro versichert, sogar einen Wurfkreis malten Weißhaidinger und Trainer Gregor Högler auf die Sitzfläche. „Ich hatte massig Platz nach vorne, trotzdem hat man im Unterbewusstsein ein bisschen Angst, dass man vorne drüberfällt.“

„Wir haben heute das Nichtübertreten geübt, die Weite war zweitrangig“, stellte Högler schmunzelnd klar, als Rauchfangkehrer-Sohn ist der Maschinenbauer die Höhenlage eher gewohnt. Nach den vier Würfen auf ungefähr 55 bis 60 m zeigte sich Weißhaidinger sehr beeindruckt. „Das war eine einmalige Geschichte, deshalb habe ich es genossen und ein paar Drehungen mehr gemacht. Ich habe solide immer in die selbe Ecke auf unsere Wurfwiese geworfen. Den ‚Tag des Loslassens‘ habe ich heute richtig erkannt und zum richtigen Zeitpunkt losgelassen“, sagte der 28-Jährige mit Blick auf die nahe Straße.

Normalerweise hätten in einem Monat die Olympischen Spiele in Tokio begonnen, die wurden wegen der Corona-Pandemie auf 2021 verschoben. Olympia sei für einen Sportler aber jeden Tag, jede Sekunde im Kopf, erklärte Högler. „Unser Credo ist immer Arbeiten, Freude an der Bewegung und der Leistung.“

Sein Athlet befand sich nach der Verschiebung der Spiele laut eigener Aussage ein paar Tage „in einer Schockstarre“, erkannte aber rasch, dass es in der ärgsten Coronakrise wichtigeres als Medaillen gab. „Die Olympischen Spielen sind aber unser Hauptgeschäft. Ich werde nächstes Jahr genauso fokussiert herangehen.“ Es sei für ihn als technischer Werfer absolut kein Nachteil, dass die Spiele verschoben wurden, er könne nun noch einmal in der Technik etwas verbessern und noch stabiler werden.

In drei Testmeetings versuchte er heuer, den österreichischen Rekord zu verbessern (68,98 m/2018), was knapp nicht gelang, trotzdem hatte man wie erhofft, einen „Kracher“ abgeliefert. „Ich war aber noch nie so nahe dran an den 70 m, die Wettkämpfe haben mich richtig stolz gemacht. Ich weiß mehr als jemals zuvor, dass ich es draufhabe. Aber 70 m schüttelt man nicht so aus dem Ärmel.“ Er könne unter das Frühjahr ein fettes Hakerl machen, er habe in der Cornonazeit einen Riesenschritt nach vorne gemacht.

Im Training sind die 70 m bereits gefallen. „Für Technik, körperlichen Zustand und Timing würde ich mir überall einen Einser mit Sternchen geben. Aber wenn wir die fünf Wochen, in denen ich die Anweisungen von Gregor nur aus dem Lautsprecher bekommen habe, auch zusammengearbeitet hätten, hätten wir noch mehr feilen können“, weiß Weißhaidinger.

Der offizielle Saisonstart erfolgt am Samstag im Rahmen des Austrian-Top-Meetings in St. Pölten, es folgen weitere in Eisenstadt, Graz und Andorf sowie die Staatsmeisterschaften in Wien. Die Auftritte in der Heimat will Weißhaidinger deshalb auch genießen, in der Vergangenheit konnte er sie ja lediglich zwischen den Diamond-League-Einsätzen „mitnehmen“. Was internationale Einsätze betrifft, wolle man abwarten, Weißhaidinger hat nicht vor, heuer nochmals in ein Flugzeug zu steigen.

Laut Trainer Högler ist Weißhaidinger, Dritter der Jahresweltbestenliste, in der besten Form seines Lebens, was dem Duo perfekte Aufschlüsse für die kommende Saison gibt. „Wir wissen jetzt, was wir im Winter trainiert haben, war das richtige. Ich denke, wir sind nächstes Jahr noch besser unterwegs.“ Ein neues Krafttrainingsgerät, Lifter genannt, half dabei, entwickelt wurde es von einer oberösterreichischen Firma, mit der man eine Studie macht.


Kommentieren


Schlagworte