Regionaler Lockdown, Reihentests nach Tönnies-Ausbruch

Das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen zieht Konsequenzen aus dem größten einzelnen Corona-Ausbruch in Deutschland. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet verhängte am Dienstag einen Lockdown über den gesamten Kreis Gütersloh mit rund 370.000 Menschen. Dort hatten sich über 1.500 Mitarbeiter eines Schlachthofs des Fleischverarbeiters Tönnies mit dem Virus infiziert.

„Wir führen wieder eine Kontaktbeschränkung wie im März ein“, sagte Laschet in Düsseldorf. Diese solle bis zum 30. Juni gelten. In dieser Zeit soll verstärkt im Kreis getestet werden, um Klarheit zu erhalten, ob das Virus auf die Bevölkerung abseits des Schlachthofs übergegriffen hat. Ein Reiseverbot verfügte Laschet indes nicht. Das Robert-Koch-Institut (RKI) erwartet, dass die Menschen sich auch in den nächsten Monaten auf ein Leben mit Einschränkungen einstellen müssen. Man werde das Virus kontinuierlich im Land haben, lokale Ausbrüche werde es wohl weiter geben.

„Wir haben es im Kreis Gütersloh mit dem bisher größten einzelnen Infektionsgeschehen in Nordrhein-Westfalen und in Deutschland zu tun“, sagte Laschet. Der Ausbruch berge „ein enormes Pandemie-Risiko“. 1.553 Mitarbeiter des Tönnies-Schlachthofs seien positiv auf das Virus getestet worden, Zentrum innerhalb des Schlachthofs sei die Fleischzerteilung mit besonders harten Arbeitsbedingungen gewesen. Neue Fälle könne es aber auch im familiären Umfeld der Mitarbeiter geben. Deshalb sei die Zahl der Infizierten wohl höher. Außerhalb des Umfelds des Schlachtbetriebs gebe es nur 24 Infizierte. Der Ausbruch war in der vergangenen Woche bekanntgeworden.

Grillen im öffentlichen Raum werde wieder untersagt, Bars und „gastwirtschaftliche Thekenbetriebe“ geschlossen. Ein „Ausreiseverbot“ für Bürger des Kreises gebe es aber nicht. Sie könnten ihren Urlaub planen, hieß es.

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Rund 7.000 Tönnies-Mitarbeiter befinden sich bereits in Quarantäne, für 50.000 Kinder seien Schulen und Kindertagesstätten geschlossen, Tests seien beschleunigt worden, sagte Laschet. Jetzt gehe es auch darum, das Einhalten der Quarantäne sicherzustellen: „Zur Not müssen die Behörden auch mit Zwang diese Maßnahmen durchsetzen.“ Fragen des Schadenersatzes gegen die Firma Tönnies könnten nach der Krise geprüft werden.

Ein Ausbruch in einem Ausmaß wie bei Tönnies ist laut Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) in Österreich nicht möglich, „die Bedingungen sind mit jenen in Deutschland nicht vergleichbar“. Dennoch will Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) Anfang Juli auch in heimischen Schlachthöfen vermehrt testen. Von Fleischprodukten selbst gehe generell keine Corona-Gefahr aus. Testungen in Österreich forderte auch SPÖ-Obfrau Pamela Rendi-Wagner. „Ein ‚Fall Tönnies‘ muss in Österreich verhindert werden.“

Weltweit breitet sich das Virus weiter aus. Rund um den Globus haben sich nach Reuters-Daten auf Basis offizieller Angaben mehr als 9,1 Millionen Menschen nachweislich angesteckt. Insgesamt 472.300 Patienten starben an oder mit dem Virus. Die meisten Infektionsfälle verzeichnen die USA, Brasilien und Russland. Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) befürchtet, dass sich tatsächlich weit mehr Menschen mit dem Virus angesteckt haben als bekannt.


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