Finanzen, Wohnen und Job: Die Realität der Studenten

Die aktuelle Erhebung zur sozialen Lage der Studierenden zeigt, dass ein Großteil nebenbei arbeitet und Bildung nach wie vor vererbt wird.

70 Prozent der Studenten würden ihr Studium weiterempfehlen. Bei Wartezeiten oder Prüfungsdichte ist die Mehrheit aber unzufrieden.
© Böhm/TT

Wien – Seit den 1970er-Jahren wird die soziale Lage der Studierenden hierzulande erhoben. Die aktuelle Umfrage wurde im Sommer 2019 – also noch vor der Corona-Krise – an alle rund 325.000 Studenten geschickt – 48.000 davon beantworteten die Fragen.

Unter anderem wurden sie zu ihren Finanzen befragt. Das Ergebnis: Monatlich verfügen Studenten im Durchschnitt über ein Budget von 1216 Euro – der Median liegt bei 1059 Euro. Ein Viertel der Studenten hat weniger als 790 Euro zur Verfügung. Im Budget befinden sich monetäre Unterstützungen durch die Familie, staatliche Leistungen wie Studienförderung und Familienbeihilfe sowie Einkommen aus Jobs. Auch Naturalleistungen wie Lebensmittelpakete von Eltern und Verwandten sind hier einberechnet.

Laut Erhebung gaben acht Prozent der Studierenden an, sehr starke finanzielle Schwierigkeiten zu haben – um vier Prozentpunkte weniger als 2015. Starke finanzielle Schwierigkeiten zu haben, sagten 14 Prozent.

44 Prozent der Studierenden wohnen in einem eigenen Haushalt, ein Viertel in einer Wohngemeinschaft, jeder Fünfte bei den Eltern und elf Prozent in Studentenheimen. Inflationsbereinigt sind die Wohnkosten gegenüber 2015 um sieben Prozent gestiegen. Am meisten zugelegt haben die Kosten für jene, die in einem Haushalt mit dem Partner oder der Partnerin leben, und für jene, die in einem Wohnheim leben.

Weiters zeigte die „Studierenden-Sozialerhebung 2019“, dass 65 Prozent der Studenten nebenbei arbeiten – im Schnitt 20,5 Stunden pro Woche. 2015 arbeiteten 61 Prozent etwa 19,9 Stunden pro Woche. Von den 65 Prozent ist rund ein Drittel unter zehn Stunden erwerbstätig. Konstatiert wird in dem Bericht, dass „ein Erwerbsausmaß von bis zu zehn Stunden pro Woche den Studienaufwand nicht einschränkt“.

Im Schnitt ist die Höhe der Studienbeihilfen zwischen 2015 und 2019 um 26 Prozent gestiegen. Das hat mit Novellen des Studienförderungsgesetzes 2016/17 zu tun. So wurde etwa die Anhebung der Einkommenssätze für die zumutbare Unterhaltsleistung der Eltern beschlossen.

ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann sagte, dass vor allem die Daten zur Erwerbstätigkeit und zur finanziellen Lage wegen der Corona-Pandemie überholt seien.

Die Umfrage ergab auch, dass Bildung nach wie vor vererbt wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass junge Menschen aus „bildungsnahem Milieu“ (Eltern mit Matura) ein Studium beginnen, ist zweieinhalbmal so hoch wie bei jungen Erwachsenen aus „bildungsfernem Milieu“, heißt es in der Erhebung, die das Institut für Höhere Studien im Auftrag des Ministeriums durchgeführt hat. Der Anteil von Studenten, deren Eltern keine Akademiker sind, ist mit 61 Prozent im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hoch – in Deutschland sind es 27 Prozent, in der Schweiz 42 Prozent.

Die Studienzufriedenheit ist gegenüber 2015 um sechs Prozentpunkte gestiegen. 70 Prozent würden ihr Studium weiterempfehlen. Doch 56 Prozent der Studenten halten ihr Studium für strukturell (eher) schlecht studierbar. Gemeint sind damit jene Aspekte, die im Gestaltungsbereich der Hochschulen liegen – etwa die Vermeidung von Wartezeiten, die Prüfungsdichte und Planbarkeit des Studiums. (sas)


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