Leitner über der Milliarde, Corona kostet 30 Prozent

Die Gruppe HTI um den Seilbahnhersteller Leitner spürt nach einem starken Jahr die Pandemie-Folgen. In Telfs soll es keine Kündigungen geben.

Vorstandschef Anton Seeber (2. von links) will möglichst viele der 3800 Jobs halten.
© HTI

Sterzing, Telfs – Im Vorjahr lief es für die Unternehmensgruppe HTI (High Technology Industries) mit Leitner Ropeways, Poma, Prinoth, Demaclenko und Leitwind noch sehr gut. Die Gruppe mit Zentrale in Sterzing erzielte einen Umsatz von 1,05 Mrd. Euro und konnte so zum zweiten Mal in Folge die Milliarden-Grenze überschreiten. In Forschung, Entwicklung und Investitionsgüter wurden insgesamt über 67 Mio. Euro investiert, der Personalstand erhöhte sich auf über 3800.

Leitner und Poma haben 78 Seilbahnen gebaut, etwa die 10er-Kabinenbahn Fleckalmbahn in Kitzbühel als schnellste Einseilumlaufbahn Österreichs, die spektakuläre Kabinenbahn über dem Meer in Südkorea mit einer 150 Meter hohen Zementstütze oder die bereits sechste Seilbahn in der kolumbianischen Stadt Medellín. Demaclenko hat mehr als 2000 Schneeerzeuger verkauft.

Aktuelle „Leuchtturm-Projekte sind laut Vorstandschef Anton Seeber die zweite Sektion der seilbahntechnischen Alpenüberquerung in Zermatt auf dem 3850 Meter hohen Klein Matterhorn und eine leistungsfähige urbane Seilbahnanlage in Mexiko-Stadt sowie Europas erste urbane 3S-Bahn in Toulouse.

Die Corona-Pandemie treffe die Gruppe heuer massiv, wenn auch durch die Diversifizierung auf verschiedene Standbeine noch größere Auswirkungen abgefedert werden können. Verschiedene Seilbahnprojekte und Investitionen in Pistenfahrzeuge oder Beschneiungssysteme seien verschoben oder zur Gänze gestrichen worden. Dazu sei es zu einem abrupten Einbruch bei den Anfragen gekommen, sagt Seeber. „Daher müssen wir heute davon ausgehen, dass unser Umsatz heuer um etwa 30 Prozent sinken wird.“

Was bedeuten die Rückgänge für das Personal? „Auf Grund des Lockdowns in vielen Staaten der Erde sind Tätigkeiten in bestimmten Bereichen der Unternehmensgruppe zum kompletten Stillstand gekommen. Somit waren auch wir gezwungen, für einen geringen Teil unserer Belegschaft temporär um Kurzarbeit anzusuchen“, so Seeber. Aus heutiger Sicht werde man den Personalstand „nicht groß verändern, aber wir werden sicherlich einige Bereiche der derzeitigen Situation anpassen“. Der Standort Telfs mit seinen über 250 Beschäftigten bleibe weiterhin zentraler Bestandteil der Unternehmensgruppe. „Kündigungen sind derzeit keine vorgesehen.“

Seeber sieht Innovationen und die Digitalisierung als große Zukunftsfelder. Mit der Informations- und Steuerungsplattform Skadii könnten Skigebiete und Wintersportzentren auf einer Plattform sämtliche Systeme von Seilbahnen über Beschneiung bis hin zur Pistenpräparierung überblicken und steuern. Im kommenden Winter werde Prinoth das erste Pistengerät mit Wasserstoffantrieb vorstellen. Und Stadtseilbahnen könnten auch in Österreich ein Thema werden. (va)


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