Kraftwerk Sellrain-Silz: Tiwag steht in den Startlöchern

Die Hauptbauarbeiten für den genehmigten Ausbau des Kraftwerks Sellrain-Silz beginnen erst im Frühjahr 2021. Die Startphase ist jedoch längst angelaufen.

Zwischen Mitte April und Ende Juli herrscht für das Ausgleichsbecken in Stams Baustopp aufgrund des Ortolan-Schutzgebietes.
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Von Thomas Parth

Stams, Silz –Wie die „Startlöcher“ bei einem Landesstromerzeuger aussehen, wird aktuell in Stams ersichtlich. Statt wie vom nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan vorgeschrieben ab 2027 baut die Tiwag jetzt ein 100.000 m2 großes Schwallausgleichsbecken. „Durch Einleitung des Kraftwerksabflusses in das Ausgleichsbecken wird der Schwall reduziert, bevor das Wasser in den Inn geleitet wird“, informiert Tiwag-Vorstand Johann Herdina bei einem Lokalaugenschein: „Die Tiwag leistet damit einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Ökologisierung des Inn.“ Die Baukosten für das Ausgleichsbecken betragen bereits stattliche 19 Mio. Euro. Die Fertigstellung ist bis April 2023 geplant.

Die vorbereitenden Arbeiten, in erster Linie ökologischer Art, laufen bereits seit Herbst 2019. Erst nach Abschluss dieser begleitenden Maßnahmen können die Erdarbeiten beginnen. Zuvor wird noch der Oberboden entfernt und für die spätere Rekultivierung zwischengelagert. Die Sohle des Brunauer Wehrs soll abgesenkt und damit fischfreundlich werden. Teile der Stamser und Rietzer Innauen werden renaturiert. In Längenfeld werden Uferverbauungen zurückgenommen und naturnahe gesichert. Tiwag-Vorstand Herdina bekräftigt auch, dass „all diese Renaturierungsmaßnahmen als Auflage für die Errichtung“ des neuen Kraftwerksteils dienen.

Die vorbereitenden Umsetzungsmaßnahmen sind Teil der Genehmigung und erfolgen unter naturschutzbehördlicher Aufsicht und Kontrolle. Sowohl beim Ausgleichsbecken in Stams als auch bei den Vorarbeiten im Kühtai sind vorwiegend Unternehmen aus dem Tiroler Oberland beauftragt. Allein 2020 fließen damit rund 29 Mio. Euro an die regionale Wirtschaft.

Der eigentliche Baustart für die Hauptbaumaßnahmen wie Tunnelbohrungen und die Dammerrichtung im Längental in Kühtai starten erst im kommenden Frühjahr. „Vor 2023/2024 sind keine Arbeiten im Sulztal bzw. im Stubaital vorgesehen“, informiert indes Tiwag-Projektleiter Klaus Feistmantl: „Zunächst wird der Tunnelvortrieb von Kühtai Richtung Sulztal und weiter Richtung Stubaital vorgenommen werden, um den 25 Kilometer langen Beileitungsstollen zu errichten.“ Hier soll Wasser aus sechs Bächen in einem Stollen mit 4,20 Metern Durchmesser in den neuen Speicher geleitet werden. 2026 soll die Gesamtanlage in Betrieb gehen.

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„Was den Baustellenverkehr betrifft, so findet dieser hauptsächlich in Kühtai statt. Das Baumaterial haben wir vor Ort“, beteuert Feistmantl.


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