Hahnenkamm in Reutte sperrt nicht auf: „Verkauf oder Liquidierung“

Peter Gerber, Besitzer der Reuttener Seilbahnen, spricht von „Verkauf oder Liquidierung“.

Noch sind ein paar Gondeln bei den Reuttener Seilbahnen am Hahnenkamm in Höfen eingehängt. Personen werden diesen Sommer keine mehr transportiert, Milch der Agrar ab 1. Juli auch nicht mehr.
© ZOOM.TIROL

Von Helmut Mittermayr

Höfen – Die Turbulenzen und Streitigkeiten am Reuttener Ski-Hausberg Hahnenkamm streben einem neuen Allzeithoch zu. Wer geglaubt hatte, dass die mehrtägige Wintersperre der Reuttener Seilbahnen nach Auseinandersetzungen zwischen der Gemeinde Höfen als Grundbesitzer und Peter Gerber als Bahneigentümer nicht zu toppen sei, irrt. Nun könnte die Bahn für lange Zeit still stehen.

Gerber hatte erst vor wenigen Tagen, wie berichtet, erklärt, dass sich die Sommeröffnung der Bahn in die Länge ziehe. Nun kommt es noch dicker. „Wir sperren diesen Sommer nicht mehr auf“, sagt Gerber gegenüber der Tiroler Tageszeitung. Und weiter: „Ich habe gerade vom zuständigen Ministerium die Nachricht erhalten, dass wir wegen des fehlenden Betriebsleiters für die heurige Sommersaison von der Betriebspflicht entbunden sind.“

Bis 1. Juli will er noch, wie vertraglich eigentlich über den Sommer verpflichtet, die Milch vom Berg führen, dann sei damit aber auch Schluss. Und der Reuttener Steuerberater droht unverhohlen in Richtung Tourismusregion: „Ich will die Bahn jetzt hergeben und führe deshalb gerade ernsthafte Verkaufsgespräche mit mehreren Interessenten. Sollte der angestrebte Verkauf allerdings nicht gelingen, dann werde ich alles liquidieren und die Anlagen am Berg einzeln veräußern.“

Gerber kritisiert in diesem Zusammenhang den Höfener Bürgermeister Vinzenz Knapp schwer: „Ein Interessent hat mir erklärt, er wüsste schon Preis und Konditionen des Verkaufs. BM Knapp habe ihm längst alles erklärt. Was bezwecken Knapp und der TVB mit Obmann Hermann Ruepp mit diesem Verhalten und falschen Zahlen hinter meinem Rücken? Wollen sie mich madig machen?“

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Für den Tourismus "eine Katastrophe"

Die Angesprochenen verstehen die Welt nicht mehr. Ruepp erklärt, dass er als TVB-Obmann doch niemals solche Äußerungen tätigen würde. „Die Bahn gehört ja Gerber und sonst niemandem. Ich kann doch gar nicht über einen Verkauf dieses Unternehmens reden.“ Für Ruepp ist klar: Gerber sei nur auf der Suche nach Sündenböcken, um von seinem eigenen Unvermögen abzulenken. Und Betriebsleiter gebe es genug, wenn man ernsthaft suche. Für den Tourismus der Region sei eine stillstehende Bahn eine Katastrophe: „Im Sommer ist sie noch wichtiger als im Winter.“

Höfens Gemeindechef, der wie Ruepp jegliche Verkaufsspielchen im Hintergrund von sich weist – „uns gehört ja nichts“ –, erinnert Gerber daran, dass er vor gar nicht langer Zeit einen Vertrag unterschrieben habe, die Milch ins Tal zu bringen. „Sollte die Bahn nicht fahren, dann mit dem Auto. Da kommt er sicher nicht aus.“

Lange Gesichter werden auch die Saison- und Regio­kartenbesitzer der Region sowie die Pächter umliegender Hütten am Berg machen. Der schlimmste Fall ist eingetreten.


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