Kunstraum Dornbirn: Selbstgespräche eines adipösen Hauses

Dass es der Bildhauer Erwin Wurm noch immer „BIG“ mag, zeigt sein Auftritt im Kunstraum Dornbirn. Zu sehen ist Neues und Altbekanntes.

„Colt“ (2019) aus polierter Bronze von Erwin Wurm.
© schlocker

Von Edith Schlocker

Dornbirn –Eigentlich sollte derzeit der Kunstraum Dornbirn ja mit den futuristischen Installationen des Atelier Van Lieshout möbliert sein, Erwin Wurm macht sich als Corona geschuldeter „Lückenbüßer“ allerdings nicht schlecht. Auch wenn das, was der lustvoll zwischen Irritation und Unterhaltung lavierende Künstler, der es, wie schon der Titel seines Auftritts klar macht, „BIG“ mag, nach Dornbirn mitgebracht hat, zum größten Teil nicht neu ist.

Etwa sein bereits 2003 aus Styropor gebautes „Fat House“, das – mit sich oder dem Publikum? – spricht. Die Frage stellt, ob es sich bei ihm um Architektur oder gar um Kunst handelt bzw. ob alles Kunst sein kann. Aber „vielleicht stell ich einfach zu viele Fragen“, sagt die zum Mund gewordene Tür des Hauses, dessen Fenster wie Augen „blinzeln“ und Wände „atmen“.

Mit ebensoviel Ernsthaftigkeit wie Humor

Vor dem Haus hat Erwin Wurm einen typisch in britischem Racing-Green lackierten „Fat Mini“ geparkt, der deutlich Kurven angesetzt hat. Nebenan auf einem Sockel liegt ein echter Colt, auf typisch Wurm’sche Manier aufgefettet zum goldenen Objekt. Mit massiver körperlicher Gewalt deformiert hat der Künstler dagegen einen Kühlschrank, bevor er das Ergebnis dieses Kraftakts ganz cool in Kunstharz gegossen hat.

Dass Wurm bei diesen schrägen Hinterfragungen der Wirklichkeit bzw. eines traditionellen Skulpturenbegriffs mit ebensoviel Ernsthaftigkeit wie Humor unterwegs ist, ist für das Kunstpublikum wunderbar. Das eingeladen ist, seinen Kopf auf den „Verschwörungstisch“ zu legen, der für die Dauer der Ausstellung am Dornbirner Marktplatz steht. Das besondere an ihm ist, dass in seine Platte zwei Löcher gefräst sind, dazu da, um den Kopf hineinzustecken, um sich mit jemand anderem kopfüber unter der Tischplatte zu unterhalten. Corona-bedingt natürlich im Ein-Meter-Abstand.


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