Geschäftsleute zur Altstadt-Baustelle: „Wir wurden nicht gefragt“

Nach dem Abflauen der Corona-Krise jetzt auch noch die Großbaustelle: Geschäftsleute in der Innsbrucker Altstadt fürchten weitere Einbußen.

Willkommen in der Altstadt – trotz Großbaustelle. Die Vorbereitungen für die Sanierung der alten Trinkwasserleitungen haben begonnen.
© Thomas Böhm

Innsbruck – Rechts oder links? Wo geht’s hier entlang? Manche Gassen in der Innsbrucker Altstadt sind seit einigen Tagen durch Bauzäune zweigeteilt. Wer in ein bestimmtes Geschäft oder Lokal will, sollte sich überlegen, auf welcher Seite er entlanggeht, um später keinen Umweg machen zu müssen. Geteilt sind auch die Meinungen der Geschäftsleute zur Großbaustelle: Den Befürwortern der vorgezogenen Sanierung der hundert Jahre alten Trinkwasserleitungen stehen die Kritiker der Maßnahme gegenüber. „Wie sollen wir uns erholen, wenn nach dem Abflauen der Corona-Krise die Baumaschinen kommen und die Straßen aufgerissen werden? Das fragen sich hier einige, besonders Besitzer kleinerer Geschäfte“, sagt eine Angestellte eines Schmuckgeschäfts.

Ein Kran erhebt sich vor dem Goldenen Dachl.
© Thomas Böhm

Christian Ohrwalder musste die für März geplante Eröffnung seines neuen Lokals in der Pfarrgasse Corona-bedingt verschieben. Ob er die derzeit von einem Bauzaun verdeckten Tische am Montag nach Beginn der Grabungsarbeiten noch aufstellen können wird, weiß er noch nicht. „Das wäre natürlich gut, wir werden sehen“, weiß er noch nicht genau, was auf ihn zukommt. Den Beginn der Arbeiten befürwortet er trotzdem: „Es gehört gemacht, besser heuer als nächstes Jahr.“

Die Gastgärten ziehen die Menschen an, das ist vielen klar. Baulärm und Schmutz könnten dazu beitragen, dass viele woandershin gehen. Sabine Stastny, die unter den Lauben beim Goldenen Dachl Bürsten und Haarschmuck verkauft, rechnet jedenfalls mit einem „insgesamt harten Jahr. Es sind ein paar Touristen da, aber nicht sehr viele. Wir können nur hoffen, dass Einheimische uns treu bleiben und trotzdem kommen.“ Bereits jetzt sei spürbar, dass manche, die die Altstadt sonst wegen der Touristen meiden, sich vermehrt blicken ließen.

Gastronom Christian Ohrwalder mit Alica Mai (links), rechts Barbara Gatt von Moden Gatt.
© Thomas Böhm

Mehr Informationen und Mitsprache hätte sich Barbara Gatt vom Modengeschäft in der Schlossergasse gewünscht; „Das hat schon damit begonnen, dass hinter unserem Rücken beschlossen wurde, die Arbeiten vorzuziehen – mit dem Argument, heuer würden ohnehin weniger Touristen kommen. Wir wurden nicht gefragt.“ Kritik übt sie auch an der Kommunikation: „Es hieß, wir würden laufend informiert, aber wir haben vieles aus den Medien erfahren.“ An den Ideen zur Belebung der Altstadt würde sie sich ebenfalls gerne beteiligen: „Es braucht keine einmaligen Events, sondern regelmäßige Angebote.“ Auch dass es für Einkäufe Zehn-Euro-Gutscheine geben soll, wurde nicht entsprechend kommuniziert. „Wer soll das bezahlen? Wir?“

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Im Corona-Nachtragsbudget wurden 1,2 Millionen für Projekte zur Ankurbelung der lokalen Wirtschaft berücksichtigt, wie die Stadt Innsbruck unterdessen mitteilt. Ob das ausreicht, wird sich zeigen. (ms)


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