Verbunden mit Bahn und Berg: Zammerin (84) fährt jeden Tag auf den Venet

Die 84-jährige Elisabeth Mair fährt seit mehr als zwanzig Jahren bei jedem Wind und Wetter täglich mit der Venet-Bergbahn auf „ihren“ Hausberg.

Es ist eine Mischung aus tiefer Verbundenheit, eingespielter Gewohnheit und vollkommener Überzeugung: Die 84-jährige Elisabeth Mair aus Zams fährt jeden Tag auf den Hausberg der Zammer und Landecker.
© Foto Rudy De Moor

Von Elisabeth Zangerl

Zams – Die Liesl gehört zum Venet wie das Amen zum Gebet“, diese Überzeugung teilen alle treuen Besucher des Zammer und Landecker Hausberges. Und auch der Vorstand der Venet Bergbahnen, Werner Millinger, schlägt in dieselbe Kerbe – er hat selbst gleich eine treffende, nette Anekdote parat: „In einer kürzlichen Sitzung mit dem Kartenverbund „Regio Card“ wurde aufgezeigt, dass es eine Person gibt, die jeden Tag auf den Venet fährt – die anderen Teilnehmer dieser Besprechung konnten das nicht glauben und dachten an einen technischen Fehler“, erzählt der Vorstand, der, wie das gesamte Venet-Team, „stolz“ auf seine treue Stammkundin ist. „Letztes Jahr war ich im Winter jeden Tag noch Skifahren, leider hatte ich dann einen Skiunfall“, erzählt die rüstige Seniorin, und: „Der Berg zieht mich seit jeher an – die Gondelbahn gibt es erst seit gut 50 Jahren, zuvor bin ich zu Fuß auf den Venet“, ergänzt Liesl Mair. Und: „Seit ich in Pension bin (seit 20 Jahren), bin ich täglich am Venet, während meiner aktiven Zeit als Volksschuldirektorin in Zams war ich auch schon sehr oft am Berg.“

Liesl Mair fährt aber nicht einfach nur auf den Berg, sie ist dort überaus aktiv: „Oben angekommen gehe ich täglich entweder die größere oder die kleinere Runde bis hin zur Gegenwartskapelle.“ Die „größere Runde“ führt an Kräutergärten und an sieben Kreuzwegstationen vorbei – die Texte auf diesen Tafeln kann Liesl Mair übrigens allesamt auswendig.

Liesl Mair kümmert sie sich dort u. a. um die Kerzenlichter der Kapelle, wandert und trinkt ihren täglichen „Latte macchiato“.
© Rudy De Moor

Nach der Gondelfahrt oben angekommen, erklärt Liesl Mair, als es plötzlich beginnt zu regnen: „Bei mir gibt’s kein schlechtes Wetter.“ Kurz darauf holt sich die rüstige Seniorin gleich ihren Regenschutz und fährt fort: „Schaut euch das wunderbare Panorama an – diese Ruhe und Stille, die vielen Wandermöglichkeiten und die gute Luft.“

Geschätzt wird ganz besonders auch das Zwischenmenschliche: „Hier arbeitet ein solch freundliches, liebes Personal“, streut Liesl Mair Rosen. Nebenbei bemerkt gibt es im Leben der 84-Jährigen noch ein anderes Hobby außer dem Venet: die Erwachsenenschule Zams, die größte Tirols wohlgemerkt, die sie leitet: „Im vergangenen Schuljahr wurden 94 Kurse abgehalten, diese haben 1200 Kursteilnehmer besucht“, erzählt sie. Dass Liesl Mair auch mit 84 Jahren noch sehr kommunikativ ist, beweist sie vor der Gegenwartskapelle, als sie einer Gruppe Wanderern, die eine Alpenüberquerung auf dem E5-Weg absolvieren, Rede und Antwort steht. Eines ist dabei definitiv klar: Den Venet kennt wohl niemand so gut wie Liesl Mair, die gleich weitererklärt: „Zwei Dreitausender, den Riffler und den Parseier, sieht man von hier oben – bei guter Sicht auch den Ortler.“

Dass der tägliche Abstecher auf den Venet auch der Gesundheit vollkommen guttut, davon ist die Pensionistin überzeugt: „Eigentlich wäre es hier oben ein Luftkurort.“ Einmal hat Liesl Mair tatsächlich ärztlich verordnetes, dreitägiges „Venet-Verbot“ aufgrund einer Stirnhöhlenentzündung bekommen, aber: „Da bin ich trotzdem hergekommen und hab zumindest die Karte gesteckt, damit ich registriert wurde.“ Ohne Venet will Liesl Mair nicht sein.


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