Tötung in Art einer Hinrichtung: Mordprozess um Bluttat von Wilten

Am 2. September urteilen Geschworene über eine Tötung in Art einer Hinrichtung im Innsbrucker Stadtteil Wilten. Eine Handy-Kamera war Zeuge.

Im April 2019 war es mitten im Innsbrucker Stadtteil Wilten zu einem der wohl grausamsten Tötungsdelikte der letzten Jahrzehnte gekommen.
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Von Reinhard Fellner

Innsbruck – An immer neue Mordfälle wird man sich wohl mittlerweile auch in Tirol gewöhnen müssen. Letzten April war es aber mitten im Innsbrucker Stadtteil Wilten zu einem der wohl grausamsten Tötungsdelikte der letzten Jahrzehnte gekommen. Auch hartgesottene und langjährige Ermittler des Landeskriminalamtes ließ die Art des Todes eines 29-jährigen Pakistani nicht kalt, der letztes Frühjahr bei einem befreundeten Paar eigentlich nur einen geselligen Abend verleben wollte.

Diesem indischstämmigen Pärchen (23, 22) wird laut rechtskräftiger Anklage nun nicht nur Mord, sondern auch anschließende Leichenschändung vorgeworfen. Der 23-Jährige muss sich zudem wegen Vergewaltigung eines weiblichen Partygastes verantworten. Aufgrund attestierter Persönlichkeitsstörung wurde bei ihm weiters die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragt.

Nun wurde seitens des Innsbrucker Landesgerichts (LG) der Prozesstermin vor einem Schwurgericht anberaumt: Demnach wird das vielschichtige und herausfordernde Verfahren am zweiten September stattfinden, wie LG-Vizepräsident Andrea­s Stutter gestern auf Anfrage der TT bestätigte.

Das Besondere des angeklagten Mordgeschehens in der Art einer Hinrichtung: Die Zweitangeklagte hatte ihrem Freund bei der Tat nicht nur ein Messer gereicht, sondern das ganze Geschehen auch noch mit dem Handy mitgefilmt. Laut Landeskriminalamt bislang einzigartig in der Tiroler Kriminalgeschichte. Dieses Filmdokument erleichtert nun im Prozess wohl zwar die Beweisführung, stellt die Justiz aber vor das Problem, ob das Vorspielen des Materials überhaupt jedem Geschworenen zumutbar sein wird, zeigen die Handyaufnahmen laut Anklage doch auch das Abtrennen von Gliedmaßen und einen Stich in den Hals des zu Tode malträtierten 29-Jährigen.

Für Zuseher wird der Prozess im September schockierend und unruhig zugleich sein: Ein Ausschluss der Öffentlichkeit während der Video-Vorführung gilt nämlich schon heute als sicher.

Im Gegensatz zu den Angeklagten war das Opfer übrigens nicht mehr unbescholten, sondern war bereits wegen Sexualdelikten vorbestraft. Für die beiden Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.


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