“Stimmungsmache“ gegen Wölfe: WWF warnt vor Klima der Angst

Weil Österreich bereits viel Zeit verloren habe, müsse die Politik eine Herdenschutz-Offensive finanzieren und das traditionelle Hirtenwesen stärken, so der WWF. Die Liste Fritz kündigte einen Dringlichkeitsantrag im Landtag für ein Tiroler Wolfskonzept an.

In den vergangenen Monaten sind die Rufe lauter geworden, so genannte Problemwölfe schießen zu dürfen.
© APA/AFP

Innsbruck – Die Naturschutzorganisation WWF Österreich bezeichnet die Wolfs-Abschussforderung von Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger in der TT als „populistische Stimmungsmache“ gegen eine streng geschützte Art. „Der hohe europarechtliche Schutzstatus der Wölfe erfordert mehr Herdenschutz und eine ausgewogene Beratung für Landwirte. Hingegen erzeugen schießwütige Parolen nur ein Klima der Angst, ohne den Betroffenen in der Praxis zu helfen“, sagt WWF-Wolfsexperte Christian Pichler. Weil Österreich bereits viel Zeit verloren habe, müsse die Politik eine Herdenschutz-Offensive finanzieren und das traditionelle Hirtenwesen stärken. „Das würde gerade der Almwirtschaft helfen, die ohnehin unter schwierigen Bedingungen wirtschaftet“, meint Pichler. Die Sorgen der Weidetierhalter seien ernst zu nehmen, „Büchse statt Herdenschutz ist aber der falsche Weg“, so der Wolfsexperte. Die von Bauernverbänden immer wieder geforderten „wolfsfreien Zonen“ seien nämlich weder rechtlich noch praktisch möglich.

„Emotion raus, Sachverstand rein!“, fordert die Liste Fritz und warnt in der Wolfsdebatte vor „billigem Populismus“. „Die sonst gerne von Europa schwärmenden NEOS wollen allen Ernstes mittels Volksbefragung in Tirol geltendes Recht außer Kraft setzen. Wer so wenig Sachexpertise hat und so wenig verstanden hat, sollte die Wolf-Debatte nicht noch zusätzlich anheizen“, sagt LA Markus Sint. Nicht besser seien die ÖVP-Bauernfunktionäre. Sie würden den europarechtlich abgesicherten Schutzstatus des Wolfes kennen und um die Schwierigkeit von Entnahmen wissen. „Trotzdem will der oberste schwarze Kammerfunktionär auf EU-Recht pfeifen und Wölfe abschießen. Billiger Populismus à la ,Der Wolf muss weg!‘ ist aber eine Forderung wider besseres Wissen, das nützt niemandem“, kritisiert Sint. Er kündigt für den kommenden Landtag einen Dringlichkeitsantrag seiner Liste an, in dem es um die Erstellung eines Wolfskonzeptes für Tirol geht. Bei dessen Erstellung sollen Experten, Betroffene und NGOs eingebunden werden. (TT)


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