Projekt Rotwildüberwinterung im Bezirk Landeck: Jäger und Förster kooperieren

Interessenvertreter, Wildbiologen und Grundeigentümer präsentierten das Projekt Rotwildüberwinterung: Im Bezirk Landeck werden 114 Futterkrippen-Standorte überprüft.

Im Dreiländereck scheiden sich beim Thema Wildtierfütterung die Geister: Im Engadin (CH) ist die Fütterung strikt verboten, in Südtirol nur in Notsituationen erlaubt und in Nordtirol gesetzlich verordnet.
© Rudigier

Von Helmut Wenzel

Fließ, Hochgallmigg – Ob Waldsterben, Wildverbiss oder verfehlte Abschussquoten: Jagd- und Forstfunktionäre gehen mit derartigen gegenseitigen Vorwürfen nicht unbedingt sparsam um. Dass es auch gemeinsame Wege gibt, zeigt ein Pilotprojekt zum Thema Rotwildüberwinterung im Bezirk Landeck bzw. im Dreiländereck mit dem Vinschgau und dem Engadin (Terra-Raetica-Region).

Treffpunkt zur Projektpräsentation war gestern Montag die Bergsiedlung Hochgallmigg bei Fließ. „Es ist bekannt, dass sich Jäger und Förster bei den gegenseitigen Vorwürfen oft nicht in Zurückhaltung üben“, hob Bezirkshauptmann Markus Maaß hervor. „Umso mehr freut es mich, dass bei diesem Pilotprojekt alle Interessengruppen sowie die Grundeigentümer an einem gemeinsamen Strang ziehen.“

Elmar Monz, Obmann des Projektträgers Bauernkammer Landeck, ist Initiator des Förderprojekts, das mit 49.500 Euro dotiert ist und aus dem Interreg-Programm Italien-Österreich zu 70 Prozent gefördert wird. Gemeinsam mit Bezirksstellenleiter Peter Frank erklärte er gestern: „Es geht darum, im Bezirk 114 Standorte von Futterkrippen nach einheitlichen objektiven Kriterien zu überprüfen. Je nach Ergebnis wird es Änderungen und nötige Anpassungen geben.“ Den „Schulterschluss in der Region“ könne er nur begrüßen, so Monz: „Ich verspreche mir jedenfalls neue Erkenntnisse.“ Auch im Bezirk Landeck sei es wiederholt zu Spannungen zwischen Jagd und Forst gekommen, räumte der Kammerobmann ein.

Mit den Erhebungen ist das Kärntner Büro für Wildökologie und Forstwirtschaft beauftragt worden. Zudem habe man einen grenzüberschreitenden Workshop mit Vertretern aus dem Vinschgau und dem Engadin geplant, sagte Gabriele Juen, Interreg-Beauftragte beim Landecker Regionalmanagement regioL. „Im Engadin ist Wildfütterung strikt verboten, in Südtirol ist sie nur in Notsituationen erlaubt“, weiß Juen. „Wenn dort die Hirsche und Rehe unsere vollen Futterkrippen wittern, dann könnten wir Zuwanderung bekommen“, scherzt sie. Der Workshop soll vor allem dem Daten- und Erfahrungsaustausch dienen, so Juen.

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Landecks Bezirksjägermeister Hermann Siess, stets um Ausgleich bemüht, sieht einen „erfreulichen Beitrag, um Konfliktpotenzial abzubauen“. „Jagd und Forst haben einen versöhnlichen Kurs eingeschlagen“, sagte er. Wiederholt plädierte er für Wildtierfütterung im Winter und gegen fahrlässiges Tierleid. „Tourismus, Jagd, Land- und Almwirtschaft haben zur Folge, dass die Lebensräume für unser Wild kleiner werden. Daher ist Fütterung bei uns ein Gebot und auch gesetzlich verankert.“

Den Standpunkt der Waldwirtschaft bringt Landecks neuer Bezirksforstinspektor Michael Knabl so auf den Punkt: „Geht es dem Rotwild gut, dann wird es auch unserem Wald gut gehen.“ Knabl sieht Synergieeffekte mit dem Pilotprojekt verknüpft: „Wir gehen davon aus, dass eine funktionierende Rotwildfütterung auch eine Reduktion der Waldschäden bewirkt.“

„Das Land setzt auf eine gesetzlich verankerte Fütterungspflicht von Rotwild unter streng vorgegebenen Kriterien“, zeigte BH Maaß auf. „Die Futtermittel sind ebenso vorgegeben wie die Zeiträume und die Ausstattung der Fütterungsanlagen.“ Aufgrund der unterschiedlichen Regelungen in den drei Grenzregionen sei eine Untersuchung der Systeme samt Wechselwirkungen sinnvoll. „Zudem ist das Thema von öffentlichem Interesse. Auch weil die Standpunkte von Gegnern und Befürwortern der Wildfütterung immer wieder aufeinanderprallen.“


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