„GKI trotz Corona-Pause und Mehrkosten auf Kurs“: Strom ab Sommer 2022

Österreichs größte Kraftwerksbaustelle stand einen Monat still, Mehrkosten liegen bei 1,5 Mio. Euro. Ab Sommer 2022 soll Strom produziert werden.

Die GKI-Baustelle am Inn bei Ovella (Engadin) läuft seit Mitte April unter Corona-Auflagen wieder auf Vollbetrieb. Die Wehranlage (linke Bildhälfte) mit dem 23,2 km langen Triebwasserstollen (Bildmitte) ist das Kernstück des Kraftwerks. Oberhalb des Felshanges (r.) werden noch Schutzzäune montiert.
© Wenzel

Prutz, Ovella – Große und kleine Stolpersteine musst­e das GKI-Management vor und vor allem nach dem Baustart im November 2014 aus dem Weg räumen. Damals, bei der Spatenstichfeier, war die Rede von 461 Mio. Euro Investitions­kosten, die Inbetriebnahme war für 2018 geplan­t.

Es kam alles anders. Zuletzt erwies sich die Corona-Pandemie als Bremsklotz, wie GKI-Geschäftsführer Johann Herdina am Dienstag bei einer Exkursion auf Österreichs größter Kraftwerksbaustelle erläuterte: „Wir mussten die Arbeiten ab Mitte März bis zu fünf Wochen einstellen.“ Erst nachdem die Hygiene- und Sicherheitsauflagen für Baustellen klar waren, konnten, so Herdina, bis zu 150 Beschäftigte wieder ausrücken.

Den Schaden beziffert er mit 1,5 Mio. Euro. „Die Mehrkosten sind aber in unserer Risikovorsorge abgedeckt“, hob er hervor. Und: „Die Baustelle bleibt trotz alledem weiter auf Kurs.“ Die von den GKI-Betreibern zuletzt genannte Investitionssumme liegt bei 604,9 Mio. Euro. Die Tiwag ist mit 86 Prozent am Großprojekt beteiligt, der Junior-Partner Engadiner Kraftwerke hält 14 Prozent.

GKI-Geschäftsführer Johann Herdina hob hervor, dass die Corona-bedingten Mehrkosten von 1,5 Mio. Euro in der Risikovorsorge abgedeckt seien. Die Inbetriebnahme des Kraftwerks werde für Sommer 2022 angestrebt.
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Während das Krafthaus in Prutz bereits fertig gestellt und unter einem begrünten Hügel verschwunden ist, laufen die Arbeiten bei der Wehranlage Ovella auf vollen Touren bzw. im Schichtbetrieb weiter. Das gilt auch für den 23,2 km langen Triebwasserstollen, wo Injektionsarbeiten bis Oktober vorgesehen sind.

Aufwändiger als zunächst geplant gestaltet sich die Montage von Schutzzäunen auf den fast senkrechten Felswänden oberhalb der Wehranlage. Es geht nicht nur um den Lawinenschutz. „Die zusätzlichen Maßnahmen im Umfang von mehr als zwei Mio. Euro dienen dem Schutz der Arbeiter vor Ort“, sagte der Geschäftsführer. „Wir investieren aber auch für einen reibungslosen Kraftwerksbetrieb.“ Gearbeitet wird zudem beim Fensterstollen in Maria Stein – zwischen Tösens und Pfunds. Im Frühjahr 2021 soll der Triebwasserstollen betriebsbereit sein. Die Inbetriebnahme wird für Sommer 2022 angestrebt.

Im Vollbetrieb sollen die beiden Riesenturbinen samt Generator im Kraftwerk Prutz rund 414 GWh (Gigawattstunden) – Strom für 90.000 Haushalte – produzieren. Die Menge entspricht rund acht Prozent des Strombedarfs in Tirol. Man benötige das GKI aber auch zum Verlustausgleich von 150 GWh, wie Herdina aufzeigte: Mit der Wasserrahmenrichtlinie der EU sind höhere Restwasser­mengen für Tirols Fließgewässer vorgeschrieben.

Der Inn bei Landeck etwa musste früher nur einen Kubikmeter Wasser pro Sekund­e führen. Jetzt sind es fünf Kubikmeter. Das bedeutet ein­e entsprechend geringere Stromproduktion beim Laufkraftwerk in Imst. (hwe)


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