Aus für Finanzierungsfonds? Privatspitäler gehen auf die Barrikaden

Politische Rufe nach einem Aus des Finanzierungsfonds lassen die Alarmsirenen schrillen.

Mehr als 100.000 Behandlungen werden jährlich in Österreichs Privatspitälern durchgeführt.
© APA

Wien, Innsbruck – Die Ermittlungen gegen den früheren FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache haben auch den Privatkrankenanstalten-Finanzierungsfonds, kurz Prikraf, ins Gerede gebracht: Vor allem SPÖ und ÖGB sparen nicht an Kritik und würden den Prikraf am liebsten abschaffen.

Nun setzen sich die privaten Krankenhäuser, für deren Patienten Leistungen zum Teil aus diesem Fonds bezahlt werden, massiv zur Wehr. Der Präsident des Verbands der Privatkrankenanstalten Österreichs und Geschäftsführer der Klinik Diakonissen in Linz, Josef Macher, ist verärgert. Er verweist auf Aussagen von SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner, die in ihrer Zeit als Gesundheitsministerin Privatspitäler als „unverzichtbaren Partner im Gesundheitswesen“ bezeichnet habe. „Es wird so getan, als würden über den Prikraf Gelder der Sozialversicherten zu Unrecht an Privatspitäler verschoben, um dort irgendwelche Schönheits-OPs zu bezahlen. Das stimmt einfach nicht“, so Maurer. Es gehe hier ausschließlich um Leistungen, die man auch in öffentlichen Spitälern bekommen würde, wie etwa Geburten oder eine Hüft-Operation.

Anspruchsberechtigt seien zudem ausschließlich Patienten, die ebenfalls in die Sozialversicherung einbezahlt haben. 3 Mio. Österreicherinnen und Österreicher haben laut Macher irgendeine Art von Zusatzversicherung zu ihrer gesetzlichen Krankenversicherung. „Diese Wahlfreiheit muss erhalten bleiben.“

Die Leistungen der privaten Spitäler würden genauso wie bei den öffentlichen Spitälern bundeseinheitlich abgerechnet werden, das aber zu einem wesentlich geringeren Satz als bei öffentlichen Spitälern. „In Summe ersparen sich die Sozialversicherungen so jährlich 80 Mio. Euro im Jahr, die von Patienten über ihre Prämien bezahlt werden“, betont Maurer.

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Der Verbandschef nennt Beispiele: Eine Katarakt-Operation (Grauer Star) schlage bei Privaten mit 444 Euro und eine Hüft-OP mit 3324 Euro zu Buche, koste sonst oft bis zum Doppelten. Eine Geburt koste den Prikraf im Privatspital 1215 Euro, in der öffentlichen Klinik in Wien 2455 und in Graz sogar 4677 Euro.

„Wir entlasten die öffentliche Gesundheitsversorgung massiv. Die öffentliche Hand hat gar nicht die Kapazitäten, um das alles aufzufangen“, betont die Geschäftsführerin des Sanatoriums Kettenbrücke in Innsbruck, Annette Leja. Um die österreichweit über 100.000 jährlichen Behandlungen in privaten Krankenhäusern stattdessen in öffentlichen Spitälern durchführen zu können, müssten fast 2,5 Mrd. Euro an Steuergeld in neue Krankenhäuser investiert werden. Allein Wien müsste ein zusätzliches Spital in der Größe des Krankenhauses Nord bauen. (TT)


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