Causa Wirecard: Ex-Chef Braun verpfändete Millionenvilla in Kitz

Klagen und Anzeigen in der Causa Wirecard. Firmenchef Braun verpfändete Immobilien, darunter eine Millionenvilla in Kitzbühel.

Vom milliardenschweren deutschen Zahlungsabwickler Wirecard ist nur noch ein Scherbenhaufen übrig.
© dpa

Frankfurt, Kitzbühel – Im Wirecard-­Bilanzskandal haben die ehemaligen Vorstände des insolventen Zahlungsdienstleisters nun auch in Österreich eine Anzeige am Hals. Bei der Wiener Staatsanwaltschaft wurde eine Anzeige wegen des Verdachts der Marktmanipulation und des schweren Betrugs eingebracht, erklärte ein Sprecher der Behörde gestern. Es sei aber davon auszugehen, dass der Fall an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) weitergegeben wird.

Die Anzeige richte sich gegen Ex-Wirecard-Chef Markus Braun sowie das frühere Vorstandsmitglied Jan Marsalek – beides Österreicher. Die Kanzlei von Marsaleks Anwalt wolle sich nicht dazu äußern. Brauns Anwalt war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Eingebracht wurde die Strafanzeige vom Wiener Anwalt Jörg Zarbl, der vor allem einen Aktienkauf von Braun als problematisch erachtet, wie er gegenüber Reuters sagte. Braun hatte Mitte Mai Wirecard-Aktien für 2,5 Mio. Euro erworben und damit der Aktie zu einem Kurssprung verholfen. „Aus meiner Sicht wäre hier zur prüfen, ob man nicht mit Absicht positive Signale an den Markt setzen wollte“, meinte Zarbl. Etwa zeitgleich hatte Braun laut Zarbl einen Kredit über 120 Mio. Euro aufgenommen.

Wie aus Unterlagen hervorgeht, wurde im selben Zeitraum Mitte Mai bei drei Immobilien in Österreich, die Braun oder seiner MB Beteiligungsgesellschaft gehören, ein Pfandrecht über insgesamt 30 Mio. Euro zugunsten der Oldenburgischen Landesbank AG eingetragen. Dabei handelt es sich um zwei Immobilien in Wien sowie um eine Villa in Kitzbühel, die Braun 2013 um 11,7 Mio. Euro erworben hat.

Auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin nimmt den Aktienkauf wegen eines möglichen Verstoßes gegen Insiderhandels-Vorschriften unter die Lupe. Brauns Investmentvehikel – die MB Beteiligungsgesellschaft – erklärte, die kapitalmarktrechtlichen Vorgaben seien eingehalten worden.

Wirecard hatte jüngst Insolvenz angemeldet, nachdem ein Loch von 1,9 Mrd. Euro in der Bilanz bekannt wurde, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Zudem rollen auch Klagen nicht nur gegen Wirecard-Vorstände, sondern auch gegen Bilanzprüfer EY, dem vorgeworfen wird, in den vergangenen Jahren die Wirecard-Bilanzen abgesegnet und nicht schon viel früher Ungereimtheiten entdeckt zu haben. Unter Beschuss steht auch die deutsche Finanzaufsicht. (mas, APA)


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