Tiroler Spitäler brauchen Geld, Druck auf Bund steigt

Landes-Gesundheitsreferenten fordern eine Milliarde Euro vom Bund. Tirol pocht auf 60 Millionen Euro.

Auf der Intensivstation: Die Corona-Krise wirkt sich massiv auf die Spitäler aus. Es fehlt rund eine Milliarde Euro für die Finanzierung.
© APA

Von Peter Nindler

Innsbruck – Die Situation ist nicht nur in den neun öffentlichen Spitälern in Tirol angespannt. Bundesweit kämpfen die Krankenanstalten generell mit Betriebsabgängen. Im Vergleich mit den anderen Bundesländern steht Tirol zwar noch sehr gut da, doch bereits vor der Corona-Krise ist das Budgetloch erneut größer geworden: von 2018 auf 2019 um 21 Millionen Euro. Der Zuschussbedarf der öffentlichen Hand, also von Land Tirol und Gemeinden, erhöhte sich demnach auf 95,6 Millionen Euro.

Im heurigen Jahr kommen noch die Corona-bedingten Einnahmenausfälle in den vergangenen Monaten hinzu. Über die jeweiligen Gesundheitsfonds werden die Spitäler finanziert, in den Fonds rechnet man jedoch mit Mindererlöse von 25 Prozent. Zugleich mussten während der Corona-Krise Spitalsbehandlungen verschoben werden, was ebenfalls zu Verlusten führt. Für Tirol wird mit insgesamt 60 Millionen Euro gerechnet, die zugeschossen werden müssen. Dem Wiener Gesundheitsfonds fehlen vergleichsweise 300 Millionen Euro.

Wie der Tiroler Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (VP) gegenüber der Tiroler Tageszeitung bestätigt, haben sich deshalb die Gesundheitsreferenten aus allen Bundesländern bereits auf eine gemeinsame Vorgangsweise verständigt. „Der Bund steht hier in der Verantwortung.“ Die Landespolitiker fordern von der Regierung in Wien eine so genannte „Spitals-Milliarde“, um die Corona-Belastungen für den stationären Bereich abzufedern. „Und das würde ich salopp als finanzielle Unterkante bezeichnen“, fügt Tilg hinzu. Ohne Ausgleich vom Bund droht alleine den Krankenhäusern in Tirol heuer ein kumulierter Betriebsabgang von 160 Millionen Euro.

Die Auswirkungen auf den laufenden Betrieb könnten ohne Finanzspritze dramatisch sein. Tilg schließt nicht aus, dass es in einigen Häusern zu Liquiditätsschwierigkeiten kommen kann. „Für Tirol sehe ich die Gefahr nicht, aber der Bund muss hier rasch handeln.“ Schließlich würden die Herausforderungen bleiben und 2021 ebenfalls weitere Verluste drohen.

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Auf den Spitalsbereich kommt ohnehin einiges zu. Die Lehren aus der Corona-Krise sind nämlich zu ziehen. Das System hat gehalten, doch der Ausbau der Intensivstationen und der virologischen Abteilungen dürfte wohl in allen Bundesländern Priorität haben. Und das kostet.

Der Tiroler Landtag wird bereits heute ein Spitalspaket beschließen. Dabei geht es um 18,1 Millionen Euro für das Krankenhaus Zams, um die Liquidität des Ordensspitals zu sichern. Die dortigen Betriebsabgänge werden vorgezogen finanziert. Für die Gehälter erhalten alle sechs Bezirkskrankenhäuser einen Landeszuschuss von 4,7 Mio. Euro. Darüber hinaus gibt es für die Bezirksspitäler in Kufstein, St. Johann und Lienz „Strukturtopfmittel“ in Höhe von 1,5 Millionen Euro für Investitionen.


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