Kritik an Tourismus-Fragen, Wunsch nach Naturschutz in Tirol

Liste Fritz ortet bei Tourismusgesinnungsstudie Suggestivaussagen. Grüne lesen aus der Studie starken Wunsch der Tiroler nach Naturschutz.

Der Tourismus wird von Tirolern zwiespältig betrachtet.
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Von Max Strozzi

Innsbruck – Seit Dienstagabend liegt den Landtagsfraktionen eine Langversion der Tiroler Tourismusgesinnungsstudie des MCI vor, die von Land, Wirtschaftskammer und Tourismusverbänden gefördert wurde. Und diese Langversion zeichne keineswegs so ein positives Bild vom Tiroler Tourismus, wie es vor einem halben Jahr von LH Günther Platter (ÖVP) und MCI-Studienleiter Hubert Siller in der Kurzversion präsentiert wurde, kritisiert LA Markus Sint (Liste Fritz). Er hatte mittels zweier Landtagsanfragen und eines Begehrens nach dem Tiroler Auskunftspflichtgesetz auf die Herausgabe der Vollversion der Studie gedrängt.

Wie aus der Studie ersichtlich, wurden die 1500 Befragten vom IMAD-Institut telefonisch häufig mit bestimmten Aussagen konfrontiert und um einen Zustimmungswert ersucht – von „stimme voll zu“ bis „stimme überhaupt nicht zu“. Aus Sicht von Sint ist auffällig, dass die Befragten großteils mit sehr positiv formulierten Aussagen konfrontiert wurden. „Über weite Strecken arbeitet diese Tourismusstudie mit Suggestivaussagen. Es verwundert mich, dass darauf überhaupt jemand mit Widerspruch antwortet“, kritisiert Sint und nennt als Beispiel die Aussage: „Der Bau von touristischer Infrastruktur stört nicht, wenn diese behutsam in die Landschaft integriert wird.“ Sint: „Natürlich ernten solchen Formulierungen große Zustimmung. Es wird kaum jemand wollen, dass Infrastruktur nicht behutsam in die Landschaft integriert werden soll.“

MCI-Projektleiter Hubert Siller hatte eine Positiv-Tendenz in der Fragestellung gegenüber der TT zurückgewiesen. Die formulierten Fragen bzw. Aussagen seien aus der Literatur hergeleitet und hätten sich zum Teil an der Studie von 1997 orientiert, so Siller.

Es habe in der ganzen Umfrage offenbar nur eine einzige offene Frage gegeben, bei der die Befragten ihre Wünsche zum Tourismus frei vorbringen konnten, kritisiert Sint. Und hier fordern die meisten Natur- und Umweltschutz und mehr Rücksicht auf die Einheimischen. „Dass zudem nur sechs Prozent angeben, mit dem Tourismus zufrieden zu sein, wie er jetzt ist, ist ein Widerspruch zur angeblich gewaltig positiven Tourismusgesinnung, wie sie im Dezember dargestellt wurde“, so Sint.

Die Grünen erkennen aus der Studie einen deutlichen Wunsch der Tiroler nach mehr Naturschutz. Das sei bei der Präsentation der Kurzversion fast untergegangen und nun aus der Langversion ablesbar. Der mit Abstand größte Wunsch der Tiroler ist mehr Naturschutz und Nachhaltigkeit im Tourismus – 26 % äußerten diesen Wunsch. Weitere 20 % wollen, dass der Tourismus mehr auf die Anliegen der Einheimischen zu achten hat. „Das Ergebnis ist deshalb beeindruckend, weil es bei dieser Frage keine Vorgaben gab“, so der grüne Klubchef Gebi Mair. Die Tiroler stünden dem Tourismus positiv gegenüber, verlangten aber mehr Respekt für die Natur. Die Studie zeige auch deutlich die negativen Folgen des Tourismus auf: Preisschub, Verkehrsbelastung, Naturschädigung, so Tourismussprecher Georg Kaltschmid.

Wie berichtet, brachte die Studie Licht und Schatten hervor. 98 % der Tiroler schätzen die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus als hoch ein. 8 % wünschen sich mehr Urlauber, 18 % weniger, 74 % gleich viele wie bisher. Viele Tiroler stimmten den Aussagen zu, dass es ohne Tourismus wichtige Einrichtungen nicht geben würde, der Tourismus Naherholungsgebiete schaffe, ein wichtiger Arbeitgeber sei, attraktive Jobs biete und dass ohne Tourismus ­Täler von Entsiedelung bedroht seien.


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