Urteil nach Halloween-Promille-Ausfahrt:„Ich wusste gleich, dass da was passiert“

Fünf Monate bedingte Haft und 6900 Geldstrafe für eine Halloween-Promille-Ausfahrt mit fatalen Folgen.

Auf der Eibergstraße hatte ein Alko-Lenker ein Überholmanöver unterschätzt: fünf Verletzte.
© ZOOM.TIROL

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Den Halloweenabend hatte letztes Jahr ein Trio aus dem Unterland in feuchtfröhlicher Runde begossen und sich danach wieder ins Auto gesetzt. Ein 29-jähriger Unternehmersohn klemmte sich ans Steuer des Firmenwagens und fiel fortan einigen Verkehrsteilnehmern auf der ohnehin nicht zu unterschätzenden Eibergstraße durch seine riskante Fahrweise auf. „Bei dem wusste ich gleich, dass da was passiert“, sagte dann später eine Autofahrerin als Zeugin bei der Polizei aus.

Irgendwo zwischen Söll und Kufstein setzte der 29-Jährige zu schnell, bei Dunkelheit und mit einem Blutalkohol von mindestens 1,14 Promille zum Überholen an, konnte sich aber nicht mehr rechtzeitig einordnen und krachte frontal in das entgegenkommende Auto einer 35-Jährigen mit 12-jähriger Tochter. Alko-Lenker und Opfer kannten sich – sie stammen aus demselben Ort.

Gestern am Landesgericht trug dies trotzdem nicht zur Versöhnung bei. Zu schwer waren die Verletzungen von Frau und Kind. Bis heute sind beide traumatisiert: „Seitdem ich wieder Auto fahren kann, bin ich erst einmal wieder an der Unfallstelle vorbeigefahren. Es ist weniger das Trauma, aber ich kann bis heute einfach nicht verstehen, wie man in so einem Zustand noch Auto fahren kann!“, so das Unfallopfer zu Richterin Sandra Presslaber. Die Tochter der Frau hat noch immer Probleme mit einem Gelenk und will seither im Dunkeln nicht mehr Auto fahren.

Staatsanwalt Thomas Willam wollte den Betroffenen Zorn und Wut zugestehen: „So etwas macht immer fassungslos, zumal wenn hier ein Familienvater sitzt und es bei so einer Alko-Fahrt genauso seine Liebsten erwischen könnte. Schwer, eine gerechte Strafe auszumessen.“

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Gestraft wurde freilich auch der wegen fahrlässiger Körperverletzung Angeklagte schon genug: Über Wochen lag er selbst im Koma und musste nach und nach erfahren, was er angerichtet hatte. Zu den Tagen rund um den Unfall leidet er unter Amnesie. Aufgrund von Blutspuren am Airbag bekannte er sich aber schuldig.

Das Urteil bei einem Strafrahmen von zwei Jahren Haft: nicht rechtskräftige fünf Monate bedingte Haft und 6900 Euro Geldstrafe. Dazu kommen Schadenersatz an die Opfer und Tausende Euro Versicherungsregress.


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