Prozess nach Selbstbedienung im Post-Verteilerzentrum Hall

Zwei ungarische Staatsbürger standen gestern am Landesgericht Innsbruck wegen mehrerer Auftragsdiebstähle vor Gericht. Über Monate hatten sie aus dem Postverteilerzentrum Hall Pakete verschwinden lassen.

(Symbolfoto)
© Österreichische Post

Innsbruck – Ein Krimi um angeklagte Auftragsdiebstähle war gestern am Landesgericht Prozessthema.

Tatort war das Postvertei­lerzentrum in Hall. Auslöser von Ermittlungen war der Umstand, dass mutmaßlich bereits im Verteilerzentrum Pakete verschwunden waren und von vorneherein gar nicht ordnungsgemäß eingescannt wurde. Alle diese Pakete einte eines: Der Inhalt bestand aus Elektrogeräten, Smartphones oder Tablets.

Ende November dann ein Blitzbesuch der Polizei im Verteilerzentrum. Bei einem Mitarbeiter (27) mit ungarischem Pass klickten gleich die Handschellen. Ein 29-jähriger Landsmann versuchte laut Polizei noch die Flucht, wurde aber ebenfalls gestellt. Die umfassenden Offenbarungen des 27-Jährigen waren darauf für den älteren Arbeitskollegen eher unerfreulich. So sagte dieser aus, dass er vom 29-Jährigen angestiftet worden war, Pakete mit ganz bestimmter Form von den Laufbändern zu fischen. Später sollten dann in einem Waldstück bei Wilten die Elektronikwaren gegen eine „Provision“ übergeben worden sein. Laut Angaben des Geständigen soll der 29-Jährige all die Waren dann regelmäßig in Budapest auf Märkten weiterverkauft haben.

Über fünf Monate sei dies so gegangen. Der 27-Jährige gab dazu an, dass sein Auftraggeber wohl auch mehrere Paketzusteller in seinen Diensten habe.

TT-ePaper gratis testen und eines von drei E-Bikes gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt mitmachen
TT ePaper

Vor Richter Norbert Hofer stritt der 29-Jährige jegliche Tatbeteiligung ab und versuchte durch Rechnungen Online-Einkäufe zu belegen. Die Rechnungen stimmten für das Gericht jedoch nicht unbedingt mit den tatgegenständlichen Waren überein. Auch stellte Richter Hofer dem Leugnenden die simple Frage: „Warum sollte Ihr Komplize dies alles denn erzählen? Er belastet sich doch selbst massivst damit. Dazu passen all seine Angaben auch mit den Erhebungen der Post überein.“

Die Post fordert vom Duo nun 17.870 Euro zurück. Laut Staatsanwaltschaft sind Sendungen im Wert von 23.098 Euro verschwunden.

Spurlos verschwunden ist mittlerweile auch der 27-Jährige. Richter Hofer hat ihn inzwischen europaweit zur Festnahme ausgeschrieben: „Sollten Sie Kontakt zu ihm aufnehmen, lasse ich Sie wegen Verdunkelungsgefahr verhaften!“, so der Richter zum 29-Jährigen. Es musste vertagt werden. (fell)


Schlagworte