Auf zum Sprung in die Welt: Ausstellung im Schloss Ambras

Erzherzog Leopold V. „Hoch zu Ross“ im Ambraser Schloss seines Onkels Ferdinand II. Erzählt wird die wechselvolle Geschichte des heimgekehrten Leopoldsbrunnens.

Caspar Gras zugeschrieben: „Hl. Georg zu Pferd als Drachentöter“, Bronze, spätes 17. Jahrhundert.
© KHM-Museumsverband

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Mit Schloss Ambras verbindet man im Allgemeinen ja Erzherzog Ferdinand II., „Hauptperson“ in der aktuellen Sonderausstellung in der Ambraser Kunst- und Wunderkammer ist allerdings dessen Neffe und Nach-Nachfolger als Tiroler Landesfürst, Erzherzog Leopold V. Der nach jahrelanger sorgsamer Restaurierung seit vergangenen Oktober wieder hoch zu Ross vor dem Innsbrucker Haus der Musik sitzt. Bei den Nymphen und Göttinnen, die ihn umschwärmen, muss er sich allerdings mit Kopien begnügen.

📽 ZIB-Video | „Hoch zu Ross" im Schloss Ambras

Eine originale und besonders feine, die „Moosgöttin“, ist aus dem Wiener Kunsthistorischen Museum für diesen Sommer allerdings in das Ambraser Antiquarium übersiedelt, wo sie sich mit den Büsten der realen und ideellen Ahnen Ferdinands in bester Gesellschaft befindet. Der Innsbrucker Hofpossierer Caspar Gras ist der Meister dieses frühbarocken, in Bonze gegossenen Meisterwerks, dessen graziöse Körperhaltung darüber hinwegtäuscht, dass diese spärlich bekleidete Nymphe satte 300 Kilogramm wiegt.

Ihre Offenherzigkeit hat genauso wie die einiger ihrer Göttinnenkolleginnen u. a. dazu geführt, dass der Brunnen lange nur ein Torso geblieben ist, reduziert zum reinen Reiterstandbild. Um ursprünglich auf einem hohen Postament im Innsbrucker Hofgarten zu stehen, bevor es vor das Hoftheater übersiedelte. Wirklich glücklich wurden die Tiroler mit dem Gras’schen Meisterwerk allerdings lange nicht, wurde es doch als nicht zeitgemäß empfunden und beleidige noch dazu laut einem überlieferten Dokument des Brixner Fürstbischofs von 1890 die sittlichen Gefühle, sei „Innsbruck doch keine Großstadt wie Whien“. Mit dem Sanktus von Kaiser Franz Joseph wurde der komplette Brunnen trotzdem 1894 so ziemlich exakt an jenem Ort aufgestellt, wo er heute steht.

TT-ePaper gratis testen und eines von drei E-Bikes gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt mitmachen
TT ePaper

Virtuell wird er nun in die von Thomas Kuster kuratierte Ambraser Ausstellung geholt, in alten Ansichten und der aktuellen. Indem zahlreiche Details herangezoomt werden, kommt man auf diese Weise den Figuren so nah, wie es real nie möglich wäre. Um zu entdecken, was für ein begnadeter Bildhauer der ursprünglich vom Goldschmieden herkommende Caspar Gras (1585–1674) war, der durch seinen Lehrer Hubert Gerhard an den Hof von Erzherzog Maximilian III. gekommen ist, dessen Grabmal im Innsbrucker Dom Gras zugeschrieben wird.

Ehrgeizig, wie Leopold V. (1586–1632) war, wollte er es anderen Fürsten gleichtun und hoch zu Ross als Mittelpunkt eines vielfigurigen Brunnens sozusagen zum Sprung in die Welt ansetzen. Die Arbeit an dem Werk ging allerdings wegen des Mangels an Geld und Material nur schleppend voran. 1627 war endlich das Ross gegossen, drei Jahre später der Reiter. Nach dem plötzlichen Tod Leopolds 1632 zog sich die Weiterarbeit bzw. Montage der Figuren weiter in die Länge.

Die Ambraser Ausstellung erzählt die komplizierte Geschichte rund um den Leopoldsbrunnen anhand von kleinen Skulpturen von Caspar Gras aus Bronze, Silber und Ebenholz genauso wie später entstandenen. Etwa durch eine aus dem 19. Jahrhundert, die fein in Holz geschnitzt ist, oder in der Form von raffinierten Modellen. Eine der ebenfalls Caspar Gras zugeschriebenen Statuetten zeichnet sich dadurch aus, dass der Kopf des Reitenden praktischerweise mit wenigen Handgriffen ausgewechselt werden kann.

Zu sehen sind aber auch Zeichnungen und Pläne, die eine mögliche Aufstellung des Brunnens ästhetisch in ausgesuchter Delikatesse durchdeklinieren. Komplett mit Reiter oder reduziert auf die kapriziösen Brunnenfiguren. Endlich mitten in der Gesellschaft angekommen dürfte der Leopoldsbrunnen 1895 sein, wie die mit einer Zeichnung des Brunnens dekorierte „Neujahrsentschuldigungskarte“ zu diesem Jahr vermuten lässt.


Kommentieren


Schlagworte