Tiroler Frauenorganisationen starten Aufruf zum Dialog über Sexismus

15 Tiroler Frauenorganisationen fordern in gemeinsamer Erklärung auf, sich einzumischen und solidarisch zu sein.

(Symbolfoto)
© pixabay

Innsbruck – Ob in der Werbung, am Arbeitsplatz, in Kindergarten und Schule, in den Familien, in Vereinen, im Nachtleben oder in sämtlichen Alltagssituationen – Sexismus ist allgegenwärtig. Das betonen Vertreterinnen von 15 Frauenorganisationen in Tirol in einer gemeinsamen Erklärung und laden gleichzeitig ein, Sexismus in Tirol zum zentralen Thema zu machen. „Sexismus ist allgegenwärtig. Sehr lange schon und immer noch. Öffentliche sexistische Äußerungen sind Zeichen für patriarchale Machtstrukturen“, heißt es. Sexismus müsse benannt und kritisiert werden. „Wir müssen darüber reden, um etwas dagegen unternehmen zu können.“ Bei Sexismus handelt es sich um die systematische Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts. „Frauen sind davon weitaus häufiger betroffen“, sagt Angelika Ritter-Grepl, Leiterin des Frauenreferats der Diözese Innsbruck und Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs.

„Eine der Folgen von Sexismus ist Gewalt an Frauen und Mädchen“, betonen die Organisationen. Dem zugrunde liege noch immer oft die Vorstellung, Männer könnten über „ihre“ Frauen verfügen. „Dadurch werden Frauen zu Objekten gemacht“, beschreibt Doris Stauder, Geschäftsführerin des Vereins Frauen gegen VerGEWALTigung. Jede fünfte Frau ab ihrem 15. Lebensjahr erfährt laut Stauder körperliche und/oder sexualisierte Gewalt. 2020 wurden in Österreich bereits elf Frauen ermordet und an 14 Frauen wurden Mordversuche verübt. Stauder erinnert in diesem Zusammenhang an den jüngsten Fall in Imst, wo ein 33-Jähriger seine 31-jährige Frau getötet und in den Inn geworfen haben soll.

Über Sexismus in seinen vielfältigen Erscheinungsformen zu sprechen und Aufklärungsarbeit zu leisten, sei Teil der Grundlagenarbeit von feministisch orientierten Frauenorganisationen. „Begonnen wurde damit schon vor vielen Jahren in den Schulen, später wurde das Thema von uns beispielsweise für Gemeinderätinnen und Gemeinderäte aufgenommen“, sagen Evelyn Mages und Angelika Hörmann (Frauenservicestelle BASIS, Außerfern). Die Erkenntnis dieser Arbeit: „Es kann nicht genug Aufklärungsarbeit geben.“

Wie wichtig die Aufklärung über alltäglichen Sexismus ist, habe der „Luder-Sager“ von Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP) gezeigt. „Wie wäre die Situation verlaufen, hätte ein männlicher Mitarbeiter sein Anliegen vorgebracht?“, fragt Monika Jarosch. Die Obfrau des AEP-Arbeitskreises für Emanzipation und Partnerschaft kennt die Problematik zur Genüge und ist überzeugt: „Dass sich eine junge, selbstbewusste Frau nicht ‚dreinreden‘ lässt, das ist für einen männlichen Politiker kaum auszuhalten. Männer sind gewohnt, die Welt zu erklären, nicht umgekehrt. Das ist Sexismus pur!“ (TT)

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4000 Stimmen gegen Geisler

Vor Beginn der gestrigen Landtagssitzung im Congress Innsbruck überreichte Oswald Helm LH Günther Platter (VP) eine Petition mit rund 4000 Unterschriften. Selbige fordern den Rücktritt von LHStv. Josef Geisler (VP) nach dessen „Luder“-Sager. Geisler selbst kam gestern mit kleiner Verspätung zur Sitzung – wohl vorgewarnt von der eigenen Partei, dass dort ein „Empfangskommittee“ auf ihn gewartet hätte.

„4000 Unterschriften sind ein klares und starkes Zeichen dafür, dass viele Menschen in Tirol nicht zur Tagesordnung übergehen wollen“, fordert Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider (Liste Fritz) weiterhin Konsequenzen gegen Geisler ein. (mami, pn)


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