In Altenheim Gelder abgezweigt: Angestellte von Seniorenheim vor Gericht

Spielsucht trieb die Angestellte eines Seniorenheims in hohe Schulden und ins Kriminal. Am Landesgericht musste sich die Frau gestern wegen Veruntreuung verantworten.

45.086 Euro hatte die Verwaltungsangestellte eines Seniorenheims auch von Bewohnern veruntreut. Einziges Motiv: Online-Spielsucht.
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Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Süchte können Menschen auf verschiedenste Weise gefährlich werden. Neben altbekannten Lastern, die sich vor allem auf die Gesundheit auswirken, entwickelte sich im letzten Jahrzehnt vor allem die Spielsucht über alle Gesellschaftsschichten zum nicht selten ruinösen Suchtverhalten. Längst ist es nicht mehr der Roulettetisch, der diesbezüglichen Beratungsstellen Sorge bereitet. Denn während man bei Auffälligkeiten im Casino gesperrt werden kann, bieten Online-Wetten und das Internet-Glücksspiel unendlich viele Möglichkeiten, um per Kreditkarte Haus und Hof zu verspielen.

Eine 58-jährige Innsbruckerin war in diesen Strudel geraten. Ihr einst so sicheres Leben sollte in einem finanziellen Desaster enden. Am Landesgericht musste sich die Frau gestern wegen Veruntreuung verantworten. Ab November 2018 hatte sie als Verwaltungsangestellte eines Innsbrucker Seniorenheims damit angefangen, systematisch Gelder abzuzweigen. Diverse Bargeldkassen waren dabei über ausgestellte Falsifikate Opfer ihrer Spielschuld geworden. Dazu machte die Angestellte auch nicht vor einem vertrauensvollen Heimbewohner Halt und erleichterte diesen um 5500 Euro seines hinterlegten Geldes. 45.086 Euro Schaden waren dadurch entstanden, den die Innsbrucker Sozialen Dienste (ISD) nun wieder zurückhalben wollen. Ein Teil war schon vom letzten Lohn einbehalten worden. Dazu stottert die Frau den Schaden mit monatlich 50 Euro ab.

Mehr geht wohl nicht, da auch bei der eigenen Verwandtschaft noch Forderungen über 120.000 Euro bestehen sollen.

Vor Richterin Verena Offer betonte Verteidiger Martin Pancheri, dass seine Mandantin „einer furchtbaren Suchterkrankung erlegen“ sei und dies „die Überschrift über allem sei, was dieser in letzter Zeit passiert sei“. Dazu hob er bei der bislang völlig Unbescholtenen Geständnis und teilweise Schadensgutmachung hervor. „Ich hoffe auf Berücksichtigung!“, so RA Pancheri.

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Bei einem möglichen Strafrahmen von bis zu drei Jahren Gefängnis nahm die 58-Jährige zur Hälfte bedingte 6280 Euro Geldstrafe plus die verbindliche Weisung zu Suchtberatung und Psychotherapie sofort an.


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