Tirol machtlos: Wolf lässt sich regional nicht verscheuchen

Der Wolf und der Tiroler Landtag: Am Donnerstag wurde wieder einmal ein aktives Wolfsmanagement diskutiert. Ohne geringeren Schutzstatus ist dieses aber zahnlos.

Die Bauern fordern Lösungen, sie bangen um die Almwirtschaft und ihre Schafherden.
© Thomas Boehm / TT

Von Peter Nindler

Innsbruck –Mehrere Dutzend Schafe wurden heuer bereits von Wölfen in Tirol gerissen, der Unmut der Bauern ist groß. Ob die Kadaver von Ziegen in Kirchdorf ebenfalls auf Wolfsrisse zurückzuführen sind, steht noch nicht fest. Die erste Auswertung von Tests ergab kein eindeutiges Ergebnis, jetzt wird auf die Analyse der zweiten Proben gewartet. Doch wie umgehen mit den großen Beutegreifern, die immer häufiger ins Land drängen? Herdenschutz, Wolfsmanagement, Erhaltung der Biodiversität sowie die Ausweisung von Alm- und Weidegebieten als sensible Zonen beherrschen die politische Debatte im Land. So auch gestern im Tiroler Landtag.

Liste Fritz und NEOS brachten den Wolf aufs Tapet, die Koalitionsparteien ÖVP und Grüne reagierten mit einem Abänderungsantrag dazu. Zentraler Inhalt: Landes- und Bundesregierung sowie die EU sollen vorrangig ihre Strategien überdenken und die zusammenhängenden Wolfspopulationen neu bewerten. In Österreich müsse eine Anpassung des Wolfmanagementplans 2012, der zurzeit evaluiert wird, auf die aktuellen Entwicklungen unter besonderer Berücksichtigung Tirols, erfolgen. Schlussendlich fordert der Landtag die Landesregierung auf, sich dafür einzusetzen, dass die Alm- und Weidegebiete zum Schutz der Alm- und Viehwirtschaft als „sensible Zonen“ eingestuft und alle dafür notwendigen Maßnahmen auf nationaler und europäischer Ebene ergriffen werden.

Hermann Kuenz, ÖVP 
(Klubobmann-Vize)„Es braucht unbedingt sensible Zonen, in denen der Schutzstatus des Wolfes herabgesetzt wird.“
© Thomas Boehm / TT

Der letzte ist der entscheidende Punkt. Denn das Problem mit den Wölfen lasse sich weder national noch regional lösen, sagt der Innsbrucker Europarechtsexperte Walter Obwexer.

Für den stellvertretenden ÖVP-Klubchef Hermann Kuenz benötigt es die sensiblen Zonen, um gegen Problemwölfe vorzugehen. Herdenschutz alleine sei zu wenig. Das sieht auch Obwexer so. Denn die großen Beutegreifer wie Wölfe und Bären genießen den höchsten Schutzstatus in der EU. Das bedeutet auch, dass sie nur im äußersten Fall und nur nach Heranziehung aller neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse vergrämt bzw. in letzter Konsequenz entnommen werden können. „Wer glaubt, ein Bescheid auf Entnahme eines Problemwolfes hält europarechtlich, der irrt sich“, ist Obwexer überzeugt.

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Österreich muss europäisch denken

Wohl oder übel muss Österreich europäisch denken. Und sich Verbündete dafür suchen, dass die EU intensiv bewirtschaftete Naturräume in den Alpen und die angrenzenden Siedlungsgebiete als besondere Gebiete ausweist, in denen der Schutzstatus ein geringerer ist als in Flächenländern wie Rumänien. „Der Wolf ist ja nicht mehr vom Aussterben bedroht“, argumentiert Obwexer für neue Richtlinien. Für eine regionale Änderung des Schutzstatus benötigt es jedoch zuerst einmal einen Vorschlag der Kommission und dann Mehrheiten im EU-Parlament bzw. im Rat. Obwexer: „Aber anders wird es meiner Meinung nicht gehen.“

Alle Debatten in den Ländern und im Bund sind deshalb Fleißaufgaben, es braucht schlussendlich einen geballten Vorstoß in der EU.


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