Nur am Papier gesund: Gläubigerschützer attackieren Politik

Der KSV kritisiert die Corona-Politik der Regierung, nötige Insolvenzen künstlich zu verschleppen und damit die Wirtschaft am Papier als gesund darzustellen.

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Wien – „Je länger in finanzielle Schieflage geratene Unternehmen künstlich am Leben erhalten werden, desto größer wird der gesamte volkswirtschaftliche Schaden sein“, warnt der Gläubigerschutzverband KSV. Damit übt er heftige Kritik an den Corona-Maßnahmen der türkis-grünen Bundesregierung, die es ermöglichen, eigentlich notwendige Firmenpleiten künstlich aufzuschieben. „Es ist fraglich, welches politische Ziel verfolgt wird, die Wirtschaft auf dem Papier als gesund darzustellen“, sagte der Chef der KSV1870 Holding, Ricardo-Jose Vybiral. „Das löst alles andere als die vorhandenen gravierenden Probleme.“ Der KSV fordert, die Frist für Insolvenzanträge ab sofort wieder von 120 auf 60 Tage zu reduzieren

Die Finanz und Gesundheitskassen sollten mit den massiven Stundungen und dem Verzicht auf Insolvenzanträge aufhören und die Unternehmer sollten seitens der Regierung „nicht in dem Glauben gelassen werden, dass staatliche Mittel ausreichen, um die Krise finanziell zu überwinden“. Werden Pleiten künstlich verschleppt „leiden langfristig gesehen nicht nur die Unternehmen und Gläubiger, sondern die gesamte heimische Wirtschaft. Denn das Vorhandensein von kranken Unternehmen, die in Wahrheit saniert werden müssten, wird durch eine falsche Medikation weiter negiert“, so der KSV: „Irgendwann wird die Insolvenzwelle Österreich definitiv erwischen.“

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Den aktuellen KSV-Zahlen zufolge gab es in der ersten Jahreshälfte um fast 25 Prozent weniger Firmenpleiten als im ersten Halbjahr 2019. Parallel dazu sind die Verbindlichkeiten mit 1,605 Mrd. Euro um 86 Prozent gestiegen. Das liege daran, dass größere Insolvenzen eher selbst angemeldet werden, erklären die KSV-Experten. In Tirol gab es im ersten Halbjahr 102 Firmenpleiten (mit 48 Mio. Euro Passiva) – ein Rückgang um 29 %.

Privatinsolvenzen gingen im ersten Halbjahr bundesweit sogar um 33 Prozent zurück, in Tirol um 43 Prozent auf 186 Privatpleiten. Hinzu kamen in Tirol noch 34 mangels Masse abgewiesene Privatkonkurse.

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Neben den im Krisenmodus agierenden Gerichten habe es laut KSV besonders während des „Shutdowns“ an persönlicher Beratung gefehlt, die bei der Schuldenregulierung von Verbrauchern eine große Rolle spiele. (TT, APA)


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