Dauerausstellung „Maximilian1“: Geschichte wird virtuell zum Leben erweckt

Die Dauerschau „Maximilian1“ der Innsbrucker Hofburg wurde erweitert – um einen analogen und fünf virtuelle Räume.

Digitale Erweiterung: Die seit Mai 2019 offene Dauerausstellung „Maximilian1“ startet mit einer eigenen App in eine neue Phase.
© Hofburg Innsbruck

Innsbruck – Seit über einem Jahr dreht sich in der Innsbrucker Hofburg alles um Kaiser Max. Anlässlich des 2019 pompös gefeierten 500. Todestages eröffnete im Mai letzten Jahres die Schau „Maximilian1“ als neue Dauerausstellung. In 21 Räumen spürt man dort nach wie vor in interaktiven Stationen dem Leben des letzten Ritters nach – ebenso wie den technischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen der Zeit.

Mit Juli präsentiert sich die Dauerausstellung neu oder besser erweitert um einen analogen und fünf virtuelle Räume. Damit taucht die Max-Schau ein in die nächste Phase.

Zuerst zum analogen Teil: Ein neuer Raum widmet sich dem Thema der „Mummereien“, kostümierten Tanzveranstaltungen, die in einer Zeit, in der es zum Beispiel noch keine Opern gab, das Publikum am Hof unterhalten sollten.

Eingebracht hatte das Thema Monika Frenzel, die kuratorisch auch den Rest der Max-Dauerausstellung in der Hofburg verantwortet. Frenzel hat dafür den Freydal untersucht, ein Turnierbuch, das die Lebensgeschichte von Kaiser Maximilian I. auf allegorische Weise nacherzählt. Konkret den Wiener Codex, eine reich illustrierte Prachtausgabe, die sich eigentlich im Besitz von Schloss Ambras befand. Heute gehört sie zu den Beständen des Kunsthistorischen Museums. Dennoch bleibt der Codex mit Tirol verbunden, lassen sich acht „Mummereien“, also abgebildete Tanzszenen, doch in Tirol lokalisieren, erklärt die Kuratorin. „Wir wissen viel, aber noch längst nicht alles über Kaiser Max“, so Frenzel.

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Diese acht Szenen wurden für die Ausstellung animiert und per Projektion an die Wand gebracht. Auf allen acht inszeniert sich Kaiser Max als oberster Zeremonienmeister in aufwändiger, aber stets wiedererkennbarer Kostümierung. Um sich tanzen ließ er Musiker, Moreskentänzer oder „Tiroler Tölpel“, Karikaturen von wilden „unziviliserten“ Menschen als Gegensatz zur höfischen Gesellschaft – in dieser fasnächtlichen Szenerie will Frenzel etwa Vorformen des Axamer Wampelerreitens erkennen. Eine Vermutung, die Kuratorin will der Annahme noch nachgehen. Und auch zu den „Mummereien“, die bisher noch nicht in Ausstellungsform in Tirol thematisiert wurden, eine Publikation vorlegen.

So bleibt die Forschung zu Kaiser Maximilian für Frenzel am Leben. In der Schau wird Max zumindest virtuell lebendig – die digitalen Erweiterungen von „Maximilian1“ sind ebenso seit Juli zugänglich. Verwendet werden muss dazu die hauseigene App (entwickelt von ArtFabrik), die an ausgewiesenen Stationen Zusatzcontent in Form von Audiobeiträgen und Text bietet. Stets auf einem allgemein verständlichen Niveau, wer tiefer eintauchen möchte, muss selbst aktiv werden.

Als besonderes Zuckerl gibt es seit Juli eine Augmented Reality-Funktion, die an fünf Stationen Ausstellungswände aufbricht und die Akteure der Schau zum Leben erweckt. Auf dem Display des Handys zumindest kann man Max beim Beten zusehen oder das virtuell zusammengesetzte Kaiserdenkmal im Dom zu Speyer von allen Seiten betrachten.

Historisches einem internationalen Publikum zeitgenössisch vermitteln, das schafft die Erweiterung. 75 Prozent der Eintritte in die Hofburg sind Touristen. Die fallen zurzeit weg, eine langsame Erholung sei aber spürbar, heißt es aus der Hofburg. Für heimische Maximiliankenner bleibt die digitale Erweiterung wohl eher Spielerei. (bunt)


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