SPÖ präsentiert pfiffige Ideen gegen Ärztemangel in Landeck

Für Ärger sorgen in der Stadt weiter offene Kassenstellen. Die SPÖ-Fraktion brachte einen unkonventionellen Vorschlag ein.

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Von Matthias Reichle

Landeck – Ärger macht der Ärztemangel in Landeck schon länger – aber nun platzte Vizebürgermeister Thomas Hittler (ÖVP) der Kragen: Ihn störe, dass immer die Stadt verantwortlich gemacht werde. „Für die Besetzung der Kassenstellen ist die Gesundheitskasse zuständig, für die Ausschreibung die Ärztekammer“, ärgert er sich. Dass die Stadt Medizinern einen Mitarbeiter bezahlen soll, um sie so zu unterstützen und den Standort attraktiver zu machen, sieht er nicht als Aufgabe der öffentlichen Hand.

Der Bezirksstadt fehlen derzeit zwei praktische Ärzte. Die zwei verbleibenden seien mehr als überlastet, so Hittler. Zuletzt verlief die Suche aber erfolglos. „Das Gesamtsystem krankt“, ist er überzeugt. Auf Unverständnis stieß etwa, dass die Ausschreibung der offenen Stellen inzwischen von der Internetseite der Ärztekammer genommen wurde. „Sie werden pro Quartal offensichtlich nur drei Wochen veröffentlicht“, wundert er sich. „Jetzt ist alles vom Netz. Als Kasse sage ich doch: Ich lasse die Stelle stehen.“

Dort wo sich die Gemeinde engagiert, findet sich leichter ein Ärzt. Wie damals in Pians.
Günter Atzl
 (Kammerdirektor)

Es sei gesetzlich geregelt, wie die Ausschreibung formal auszusehen hat, konterte Ärztekammerdirektor Günter Atzl auf die Vorwürfe. Es sei ein normaler Vorgang – ausgeschrieben werde überhaupt öfter als viermal im Jahr. Dass es offene Stellen in Landeck gibt, sei in der Ärzteschaft bekannt. Die Kritik sei ein „Blödsinn“. „Das Problem ist, dass es keine Bewerber gibt“, so Atzl. Es würde null Interesse bestehen und es sei kein Landarztproblem, das es in Tirol gebe. „Kufstein, Kirchberg, Söll, Kitzbühel, Landeck sind keine Bergdörfer.“ Auch wenn die Zuständigkeit bei der Gesundheitskasse liege, nimmt er die Stadt in die Verantwortung: „Dort, wo sich die Gemeinde engagiert, geht es aber besser“, kontert er Hittler. Solange die Rahmenbedingungen nicht prickelnder sind, finde man niemanden.

Mit einem unkonventionellen Vorschlag ließ nun die SPÖ-Fraktion aufhorchen. Ein Landarztstipendium für Landeck schlug Gemeinderätin Simone Plangger vor. Mit der Förderung würde man angehenden Ärzten während ihres Studiums finanziell unter die Arme greifen. Im Gegenzug würden sie sich verpflichten fünf bis zehn Jahre in der Bezirksstadt zu praktizieren. Ihr schwebte ein Betrag von tausend Euro, zwölfmal im Jahr vor. „Das wäre in Österreich einzigartig.“ Ein ähnliches System gebe es etwa beim Bundesheer. Im Gemeinderat wurde der Antrag dem zuständigen Ausschuss zugewiesen. Für „innovative Lösungen“ sei man offen.


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