Teurer Tesla laut Gerichtsgutachten für TVB Alpbachtal günstiger

Im Streit um das E-Auto des TVB Alpbachtal liegt ein interessantes Dienstwagen-Gutachten vor – die Steuer schafft die Kostenwahrheit.

Das Leasing des 118.000 Euro teuren Tesla sorgte nicht nur im TVB für Aufruhr.
© TVB Alpbachtal/Grießenböck

Von Reinhard Fellner

Innsbruck, Kramsach – Noch selten ist die Anschaffung eines Dienstwagens so heiß diskutiert worden wie die eines Tesla um 118.000 Euro durch den Tourismusverband Alpbachtal-Seenland (TVB). Während die TVB-Führung mit dem US-Flügeltürer laut Geschäftsbericht „in den einnahmestärksten Ballungszentren im deutschsprachigen Raum mittels Guerilla-Marketing größtmögliche Aufmerksamkeit erzielen wollte, wähnten Kritiker aus Politik und Tourismus Protz und Verschwendung in geradezu unerträglichem Ausmaß. 62 Unternehmer des eigenen TVB rebellierten, die Tourismusabteilung des Landes riet wegen der Optik von Anschaffung und Privatnutzung durch den TVB-Geschäftsführer ab.

Schon im TVB-Geschäftsbericht aus dem Jahr 2017 verwies der TVB jedoch darauf, dass dem Verband durch das Luxus-E-Auto im Vergleich zum vorher genutzten Allrad-Van keine Mehrkosten anfallen würden. Die steuerliche Behandlung von Elektroautos (Privatnutzung-Sachbezugswert null) mache es möglich.

Im Zuge der im September fortgesetzten Klage des TVB gegen NEOS-Landessprecher Dominik Oberhofer, wonach es dieser zu unterlassen habe im TVB-Tesla-Streit von „Nötigung, Täuschung und bewusster Fehlinformation“ zu sprechen, liegt dem Landesgericht nun ein für Unternehmer und Verbände aufschlussreiches buchhalterisches Gerichtsgutachten zu Kosten von Dienstwagen (E-Auto versus Verbrenner) vor.

Im Fall von Tesla und Diesel-Allrad-Van sieht die Kostenbilanz nach Steuern so aus: Jahresleasingrate: 16.609 zu 6749 Euro. Versicherung 2218 zu 1867 Euro, Betriebskosten 229 zu 2629 Euro und Weiteres. Dazu kommt allerdings beim Verbrenner noch ein Sachbezug durch die Privatnutzung des GF von 13.851 Euro.

Macht Jahreskosten laut Gutachten beim Allrad-Van in Höhe von 25.186 Euro. Der an sich weit mehr als doppelt so teure, aber Sachbezug-befreite Tesla X belastet den TVB jedoch nur mit 19.112 Euro. TVB-Anwalt Hermann Holzmann zitiert wörtlich aus dem der TT vorliegenden Gerichtsgutachten: „Zusammengefasst kann festgestellt werden, dass bedingt durch die vorliegende Nettolohnvereinbarung und die gewährte Privatnutzung des Pkw in Verbindung mit der ab 2016 geltenden Sachbezugsverordnung das Dienstfahrzeug Tesla X dem TVB tatsächlich billiger kommt als das vormalige Dienstfahrzeug.“

Volltreffer für den TVB. Ob die frühere Führung mit Sachbezugs-Themen vollumfänglich vertraut war, bleibt angesichts der einstigen Finanz-Selbstanzeige betreffend „Nichtversteuerung des Sachbezugs für die Privatnutzung eines Firmenfahrzeugs“ offen.

RA Holzmann: „Das Gutachten legt klar dar, dass das E-Auto dem TVB billiger kommt!“ Dominik Oberhofer: „Der aktuelle Vergleich hinkt. Die haben früher den Sachbezug eben nicht abgeführt, erst als es publik wurde, wurde Strafe gezahlt. Dass der Tesla ohne Sachbezug billiger ist, ist schon klar.“


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